3.  Die  Verteilung  des  Bedarfes  an  Ware  auf  die  Einzelwirtschaften.  143

dürfnissen  befinden,  denn  der  Durst  wird  allntählich  gelöscht  und
der  gesättigte  Mensch  hat  überhaupt  kein  Nahrungsbedürfnis.  In
einem  gegebenen  Augenblicke  stellt  sich  also  nicht  bloß  die  Bedarfsintensität ­
  des  Wirtschaftssubjektes  für  verschiedene  Güter,  sondern
auch  die  Bedarfsintensität  verschiedener  Wirtschaftssubjekte  für  dasselbe ­
  Gut  sehr  verschieden.  Auch  das  Geld  ist  hiebei  kein  so  objektiver ­
  Maßstab  wie  beim  Tauschwert,  sondern  unterliegt  nach  den
Einkommensverhältnissen  ebenfalls  sehr  großen  Schwankungen  der
Bedarfsintensität.  Die  auf  diese  Weise  oberhalb  der  Grenze  des
Tauschwertes  stehenden  Schichten  des  Gebrauchswertes,  welche
den  wirksamen  Bedarf  bilden,  sind  nun  ebenso  wie  die  unterhalb
dieser  Grenze  befindlichen  Schichten  des  Gebrauchswertes  vou
Einfluß  auf  die  Bildung  des  Tauschwertes  und  Preises.  Der
Preis  bezeichnet  nicht  ein  statisches,  sondern  ein  dynamisches
Verhältnis.  Eine  bloße  Preisziffer,  wie  12  K  für  50  kg  Weizen
oder  60  X  für  50  kg  Kaffee  bestimncker  Sorte  besagt  daher  dem
Kaufmann  nicht  alles,  was  er  wissen  muß,  weil  er  bei  fallender
Preistendenz  eher  zurückhalten  und  bei  steigender  eher  kaufen  wird.
Daher  ist  es  überall  im  Handel  gebräuchlich,  dem  Preise  gewisse,
die  Preistendenz  charakterisierende  Worte  („lebhaft",  „still",  „fest",
„flau"  usw.)  hinzuzufügen.  Sind  nun  die  höchsten  Schichten  der
Gebrauchswerte,  soweit  sie  über  der  Grenze  des  Tauschwertes  (+)
liegen,  durch  eine  bedeutend  größere  Zahl  von  Verbrauchern  besetzt
als  die  an  dieser  Grenze  unmittelbar  liegenden  Schichten,  so  werden
die  anderen  Faktoren  der  Wert-  und  Preisbildung  weniger  Widerstand ­
  finden,  wenn  sie  den  Tauschwert  in  die  Höhe  treiben.
Andrerseits  wird  das  Vorhandensein  einer  starken  Verbraucherschichte ­
  unterhalb  dieser  Grenze  den  Tauschwert  herabziehen.  Wir
können  dies  an  folgendem  Schema  veranschaulichen:
10  000  Verbraucher  mit  Bedarfsintensität  +  4  '■
1  ststst  I  O  1  mtf

-f-  3  1.  Fall  mit
^  2  Tendenz  nach

1000
400
100

B

oben.

oa
3

Tauschwert.

2.  Fall  mit
Tendenz  nach
unten.

Für  den  ersten  Fall  lassen  sich  die  Preisvorgänge  der  letzten
Jahre  auf  dem  Kautschukmarkte  als  Beispiel  anführen.  Durch  die
Entwicklung  der  Automobilindustrie,  welche  einen  großen  Bedarf