3.  Die  Berteilung  des  Bedarfes  an  Ware  auf  die  Einzelwirtschaften.  147
zu  brauchen  glaubt,  auch  wenn  er  es  tatsächlich  nicht  braucht,  erscheint ­
  auf  dem  Markte  als  wirklicher  Bedarf.
Die  Beeinflussung  des  Einzelbedarfes  kann  ferner  unbeabsichtigt ­
  durch  die  Verbraucher  selbst  oder  beabsichtigt  durch  Verkäufer
(Erzeuger  und  Händler)  geschehen.  Die  Beeinflussung  der  ersteren
Art  geschieht  durch  den  konventionellen  Zwang,  der  oft  gar  nicht
ausgesprochen  oder  sonst  wie  äußerlich  erkennbar  ist,  sondern  nur
in  der  Meinung  des  Verbrauchers  besteht  und  dort  entscheidet.
Besonders  beim  Kleidungsbedürsnis,  doch  auch  beim  Nahrungsund ­
  Wohnungsbedürfnis  macht  er  sich  stark  bemerkbar.  Der  Offizier,
der  Beamte,  der  Geschäftsmann  in  gewissen  Stellungen  darf  nicht
so  leben,  wie  es  ihm  persönlich  gefällt,  sondern  muß  den  Anforderungen ­
  entsprechen,  welche  seiner  subjektiven  Meinung  nach  die
Standesgenossen,  die  Kunden  usw.  an  ihn  stellen.  Mancher  wird
Geld  für  gesellschaftliche  Einladungen  ausgeben  müssen,  nach  denen
er  gar  kein  Verlangen  hat,  die  ihm  vielleicht  sogar  lästig  sind,  zu
denen  er  sich  aber  gesellschaftlich  für  verpflichtet  hält.  Ein  Botschafter ­
  im  Orient  ließ  bei  seinen  Spaziergängen  einen  leeren  Wagen
nachfahren,  nur  um  darzutun,  daß  ihn  nicht  Sparsamkeit  zu  den
dort  nicht  landesüblichen  Spaziergängen  veranlaßt.  Die  hauptsächlich ­
  aus  Überlieferungen  bestehenden  Anschauungen  des  Volkes
schaffen  auf  diese  Weise  künstliche  Gebrauchswerte.
Eine  unbeabsichtigte  Beeinflussung  des  Einzelbedarses  durch
die  Verbraucher  selbst  läßt  sich  auch  insofern  erkennen,  als  Güter,
bei  denen  alle  objektiven  Wertelemente  vollkommen  gleich  sind,  durch
die  subjektive  Meinung  differenziert  werden.  Bei  Wertpapieren  ist
es  eine  ganz  gewöhnliche,  fast  in  jedem  Kursblatt  konstatierbare
Erscheinung,  daß  Wertpapiere  verschiedener  Emissionen  trotz  völlig
gleicher  Bedingungen  verschiedene  Preise  (Kurse)  notieren.  Fast
durchwegs  werden  ältere  Papiere  bevorzugt,  auch  wenn  ihnen  gar
kein  Vorzugsrecht  zukommt.  Einer  sehr  verschiedenen  Bewertung
begegnet  die  Verlosbarkeit,  indem  die  Amortisierbarkeit  als  solche
gewöhnlich  unterschätzt,  die  Aussicht  auf  einen  Treffer  dagegen
überschätzt  wird.  Die  Kurse  der  Staatsrentenpapiere  verschiedener
Staaten  weisen  Differenzen  auf,  die  ihre  Erklärung  nicht  in  der
Verschiedenheit  der  Kreditwürdigkeit  und  in  sonstigen  objektiven
Momenten  der  Marktlage,  sondern  nur  in  psychologischen  Vorgängen
der  Käufer  selbst  ihre  Erklärung  finden.
Die  beabsichtigte  Beeinflussung  des  Einzelbedarses  durch  die
Verkäufer  geschieht  durch  zahlreiche  kleine  Mittel,  welche  darauf
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