4.  Die  Verfügbarkeit  an  Geld  in  der  Volkswirtschaft.  151
zwischen  Tauschen  und  Sparen,  zwischen  Umlaufsmittel  und
Kapital  beeinflußt  die  Wertbildung  in  hohem  Grade.  Die  Volkswirtschaft ­
  wird  in  der  Regel  kein  Geld  aufspeichern,  weil  es  unfruchtbar ­
  ist,  wenn  es  nicht  etiva  zur  Sicherung  anderer  Vorteile
dient,  wie  als  Goldschatz  der  Notenbanken  zur  Sicherung  des
Papiergeldumlaufes,  als  Kriegsfchatz,  weil  bei  Ausbruch  eines
Krieges  die  Beschaffung  von  Geldmitteln  in  der  ersten  Zeit  sehr
erschwert  ist  usw.  Sie  kann  nicht  Geldkapitalien,  sondern  nur
Sachkapitalien  (Gebäude,  Fabriken,  Eisenbahnen,  Schiffe  usw.)
brauchen.  Das  Geld  nützt  ihr  nur  als  Umlaufsmittel.  Die
Privatwirtschaft  betrachtet  aber  das  Geld  als  Ziel  ihrer  wirtschaftlichen ­
  Tätigkeit.  Wenn  auch  der  größte  Teil  des  Geldeinkommens
für  den  eigenen  Verbrauch  ausgegeben  wird,  fo  wird  doch  ein  Teil
aufbewahrt,  unter  primitiven  Verhältnissen  als  ertragloser  Schatz,
mit  höherer  Entwicklung  als  ertragreiches  Kapital,  weil  sich  auf
diese  Weise  mit  dem  ersparten  Einkommen  neues  Einkommen  erzielen ­
  läßt.  Zwar  müssen  die  privaten  Geldkapitalien,  ob  sie  in
der  eigenen  oder  durch  Vermittlung  von  Banken,  Sparkassen  und
anderen  Kreditinstituten  in  d.r  fremden  Produktion  verwendet
werden,  ebenfalls  in  Sachkapitalien  verwandelt  werden,  dem
privaten  Kapitalisten  schweben  aber  nur  die  Geldkapitalien  vor,
weil  er  mit  der  Bildung  derselben  das  Ziel  seiner  wirtschaftlichen
Tätigkeit  erreicht  hat.  Wer  bei  einer  Bank  einige  tausend  Kronen
erlegt,  weiß  zwar,  daß  das  Geld  für  ihn  nicht  bar  liegen  bleibt,  daß
damit  Wechsel  diskontiert  werden  und  durch  den  betreffenden  Geschäftsmann ­
  wieder  Waren  gekauft  oder  Arbeiter  bezahlt  werden,
die  ihrerseits  sich  Lebensmittel  beschaffen  müssen  usw.,  aber  an
diesem  Entwicklungsprozeß  ist  er  nicht  mehr  beteiligt.  Das  Geld  ist
also  in  der  Volkswirtschaft  Umlaufsmittel,  wird  in  der  Einzelwirtschaft ­
  Sparmittel,  als  solches  aber  Kapital  und  dadurch  immer
wieder  Umlaufsmittel.  Je  besser  die  Technik  des  Zahlungswesens
ist,  desto  rascher  vollzieht  sich  der  Durchgang  des  Geldes  durch  diese
verschiedenen  Stadien.
Für  die  Bildung  des  Tauschwertes  des  Geldes  als  Umlaufsmittel ­
  kommt  infolge  dessen  nur  das  tatsächlich  umlaufende  oder
vielmehr,  da  der  Umlauf  nur  aus  den  kurzen  Übergaben  bei  der
Zahlung  besteht,  das  zum  Umlaufe  bestimmte,  das  umlaufsbereite
Geld  in  Betracht.  Schon  Hume  hat  darauf  hingewiesen,  daß  die
Menge  des  wirklich  umlaufenden  Geldes  keineswegs  identisch  ist
mit  dem  in  der  Volkswirtschaft  vorhandenen  Gelde.  Fullarton