behauptete,  daß  nicht  alles  Geld  zirkuliert,  sondern  daß  jener  Teil,
welcher  momentan  nicht  gebraucht  wird,  in  den  Reserven  (hoards)
verschwindet;  die  Schahbildung  ist  aber,  wie  wir  sehen  werden,
nicht  ein  bloßes  Reservoir  des  Geldumlaufes.  John  Stuart
Mill  sprach  bereits  von  wirksamem  Gelde,  weil  das  Vorhandensein ­
  von  Reserven  das  Geld  unwirksam  machen  könne.  Wenn  aber
Karl  Menger  auch  die  Barbestände  ausschließt,  die  in  jeder
Einzelwirtschaft  vorhanden  sein  müssen,  so  geht  er  viel  zu  weit,
denn  auf  dem  Warenmärkte  kommt  nicht  bloß  der  Geldbetrag  zur
Wirkung,  den  das  Wirtschaftssubjekt  im  Augenblicke  auszahlt,
sondern  auch  derjenige,  den  es  noch  in  der  Tasche  hat,  aber  auszugeben ­
  willens  ist.  Trotzdem  bleibt  ein  großer  Teil  des  in  einem
Wirtschaftsgebiete  hergestellten  oder  vom  Auslande  eingegangenen
Geldes  unwirksam.  Ein  Beispiel  hierfür  bietet  Britisch-Jndien,
wo  die  Bevölkerung  solche  Mengen  Goldgeld  (früher  Silbergeld)
anhäuft,  daß  trotzdem  sich  die  Einfuhr  von  Gold  seit  dem  Jahre  1906/07
verdoppelt  hat  und  das  Land  heute  einen  großen  Teil  der  Weltproduktion ­
  in  Gold  allein  verbraucht,  die  Goldmünzen  im  inneren
Verkehre  doch  verhältnismäßig  selten  sind.  Übrigens  gehört  auch
in  Europa  die  Schatzbildung  keineswegs  nur  längst  vergangenen
Zeiten  an.  Als  sich  im  Herbst  1012  durch  den  Ausbruch  des
Balkankrieges  die  politische  Lage  außerordentlich  verschlechterte,
verschwanden  große  Mengen  von  Goldmünzen  aus  dem  Verkehre,
die  erst  wieder  im  folgenden  Herbst  zum  Vorschein  kamen,  als  Beruhigung ­
  eintrat.  Andererseits  wird  eine  Senkung  der  Kaufkraft
des  Geldes,  mag  diese  durch  Verringerung  des  Tauschwertes  des
Geldes  oder  durch  Erhöhung  des  Tauschwertes  der  Waren  entstanden ­
  sein,  den  Geldumlauf  zwar  nicht  im  selben  Grade,  aber
doch  einigermaßen  vermehren,  weil  sich  der  Bedarf  nicht  automatisch
mit  jeder  Verteuerung  der  Bedürfnisbefriedigung  einschränken  kann.
Von  dem  in  einem  Lande  ausgegebenen  oder  eingegangenen  Metallund
  Papiergeld  ist  also  nur  jener  Teil  für  die  Wert-  und  Preisbildung ­
  in  Betracht  zu  ziehen,  welcher  sich  in  Umlaufsbereitschaft
befindet,  weil  um  diesen  Teil  die  zum  Tausch  angebotenen  Waren
konkurrieren.  Dieser  in  den  Kulturländern  gewiß  weit  überwiegende
Teil  läßt  sich  aber  ziffermäßig  nicht  bestimmen,  ist  auch  großen
Schwankungen  ausgesetzt.
Zweiter  Erfahrungssatz:  DerEinfluß  der  Menge
und  Umlaufsgeschwindigkeit  aus  die  gesamte  Verfügbarkeit ­
  verliert  sich  mit  der  steigenden  Entwicklung