4.  Die  Verfügbarkeit  an  Geld  in  der  Volkswirtschaft.  153
des  Geldwesens,  vielmehr  findet  eine  automatische
Anpassung  an  den  Bedarf  der  Volkswirtschaft  statt.
Die  Wissenschaft  ist  frühzeitig  auf  den  Gedanken  verfallen,
daß  das  Geld  als  Umlaufsmittel  in  einer  gewissen  Beziehung  zu
der  Menge  der  zu  vermittelnden  Warenumsätze  stehen  muß  und
daß  das  zwischen  der  Geldmenge  und  Warenmenge  eines  Wirtschaftsgebietes ­
  bestehende  Verhältnis  die  Wert-  und  Preisbildung
beeinflußt.  Dieser  Gedanke  ist  in  der  Quantitätstheorie  verkörpert. ­
  Die  älteste,  aus  den  Untersuchungen  von  Jean  Bodin
beruhende  Form  derselben  stellte  fest,  daß  die  Preissteigerung  im
16.  Jahrhundert  vorwiegend  oder  beinahe  ausschließlich  in  der
großen  Fülle  des  geförderten  Goldes  und  Silbers  begründet  sei.
Ricardo  hat  dann  im  Widersprucheszum  Merkantilismus  betont,
daß  für  die  Volkswirtschaft  nicht  ein  großer  Geldvorrat  wünschenswert ­
  ist,  daß  also  der  Reichtum  des  Volkes  nicht  an  der  Menge
des  vorhandenen  Geldes  gemessen  werden  dürfe,  denn  das  Geld
sei  nur  ein  Tauschmittel.  Sein  Wert  stehe  im  umgekehrten  Verhältnisse ­
  zu  seiner  Menge;  wie  bei  jeder  anderen  Ware  erhöhe  ein
Uberschuß  der  Nachfrage  den  Wert,  während  ihn  ein  Uberschuß
des  Angebots  vermindere.  Da  nun  der  Wert  aller  Güter  auf  den
Wert  des  Geldes  bezogen  werde,  so  müsse  jede  Änderung  dieses
Geldwertes  auch  eine  gewisse  Wirkung  auf  den  Preis  der  andern
Waren  üben.  Die  ursprünglich  nur  für  das  Metallgeld  aufgestellte
Theorie  wurde  später  auch  auf  das  Papiergeld  ausgedehnt.
Zirkuliere  in  einem  Lande  nur  Metallgeld,  so  werde  sich  der  Geldumlauf ­
  von  selbst  auf  der  richtigen  Höhe  erhalten,  weil  es  bei
Überfluß  von  selbst  ins  Ausland  strömt  und  im  umgekehrten  Falle
hereinkommt,  denn  wie  jede  Ware,  so  verlasse  auch  Geld  jenes
Land,  in  welchem  es  verhältnismäßig  billig  sei,  um  solche  Länder
aufzusuchen,  in  denen  es  teuer  ist.  Uneinlösliches  Papiergeld  könne
aber  nicht  abfließen,  weil  es  vom  Auslande  nicht  angenommen
wird,  sinke  daher  bei  Vermehrung  über  den  Bedarf  hinaus  im
Werte  und  steigere  gleichzeitig  den  Wert  der  Waren.  Diese  Anschauung ­
  wurde  dann  auf  die  Zirkulation  der  Banknoten  (ourrsne^
principle)  übertragen.  John  Stuart  Mill  hat  die  Einschränkung ­
  vorgenommen,  daß  die  Geldmenge  nur  „unter  sonst
gleichen  Umständen"  zur  Wirkung  kommen  könne.
In  den  neuesten  Formulierungen  der  Quantitätstheorie  ist  außer
auf  die  Menge  auch  auf  die  Bedeutung  der  Umlaufsgeschwindigkeit
hingewiesen  worden,  die  schon  John  Locke  als  mitwirkend  be-