156  III.  Die  Analyse  des  Tauschwertes.

wird.  Die  Gleichung,  von  welcher  die  Formel  ausgehi,  stimmt  also
in  keiner  Weise.
Die  wichtigste  Feststellung  liegt  aber  in  einer  anderen  Richtung.
Warenumsätze  und  Zahlungsmittel  stehen  heutzutage  gar  nicht  in:
gleichen  Range,  sondern  im  Verhältnis  der  Über-  und  Unterordnung,
weil  sich  die  Menge  und  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  nicht
aus  sich  selbständig,  sondern  in  steigender  Abhängigkeit  zu  den
Warenumsätzen  entwickelt,  weil  sich  die  Zahlungsmittel  nach  den
Warenumsätzen  und  nicht  umgekehrt  die  Warenumsätze  nach  den
Zahlungsmitteln  bestimnien.  Unter  primitiven  Verhältnissen  wird
jede  Einnahme  in  Geld  nur  den  Bargeldvorrat  verstärken  und
dieser  Bargeldvorrat  wie  in  der  Einzelwirtschaft  so  auch  in  der
Volkswirtschaft  für  die  Art  und  Höhe  der  Bedarfsdeckung  maßgebend ­
  sein.  Je  mehr  sich  aber  das  Wirtschaftsleben  entwickelt,
desto  mehr  wird  der  Bargeldvorrat  nur  ein  Instrument  der  planmäßigen ­
  Fürsorge  für  die  Zukunft,  er  wird  nur  einen  Teil  der
Einnahnien  beanspruchen  und  die  Größe  dieses  Teiles  ergibt  sich
aus  dem  voraussichtlichen  Bedarf  jedes  Wirtschaftssubjektes.  Er
wird  also  nicht  entscheidend  sein  für  die  Kaufkraft,  sondern  wird
sich  nach  der  Kaufkraft  entsprechend  höher  oder  niedriger  stellen.
Da  dann  das  Geld  auch  die  Form  ist,  in  welcher  Kapitalien  gegeben ­
  und  genommen  werden,  so  entsteht  neben  dem  Warenmarkt
ein  selbständiger  Geldmarkt,  der  sich  aus  Angebot  und  Nachfrage
nach  Kapitalien  ergibt.  Dieser  Geldmarkt  oder  richtiger  Geldkapitalsmarkt ­
  steht  mit  dem  Warenmarkt  in  inniger  Wechselwirkung.
Das  Bemühen  der  Geldpolitik  aller  Kulturländer  geht  in  der  Hauptsache ­
  dahin,  den  Geldumlauf  dem  empirisch  festgestellten  Geldbedarf
möglichst  anzupassen.  Das  ist  speziell  die  Aufgabe  der  Notenbanken
geworden.  In  den  meisten  Staaten  basiert  der  Banknotenumlauf
auf  dem  Wechselverkehr  und  paßt  sich  also  fast  automatisch  dem
Bedarfs  des  Geschäftsverkehrs  an;  denn  die  Diskontierung  von
Wechseln  bedeutet  nichts  anderes  als  den  Umtausch  des  aus  dem
Geschäftsverkehr  hervorgegangenen  und  beschränkt  umlaufsfähigen
Wechsels  gegen  die  Banknote,  welche  unbeschränkt  umlaufsfähig  ist,
weil  sie  nicht  individuell  ausgestellt  wird,  auf  runde  Beträge  lautet
und  praktisch  unbegrenzte  Zeit  Gültigkeit  behält.  Diesen  Zusanunenhang
  stören  nur  die  sogenannten  Finanzwechsel,  die  deshalb  auch
bekämpft  werden.  Sonderbarerweise  hat  man  an  der  Quantitätstheorie ­
  festgehalten,  trotzdem  ihre  berühmte  praktische  Verkörperung
in  der  Peelschen  Bankakte  (1844)  vollständig  Schiffbruch  erlitten