4.  Die  Verfügbarkeit  an  Geld  in  der  Volkswirtschaft.  157
hat.  Die  Begründer  dieser  Gesetzgebung,  Schüler  Ricardos,
glaubten,  daß  die  Bank  von  England  bei  größerem  Edelmetallvorrat
mehr  Banknoten  in  Verkehr  bringen  wird,  suchten  ihr  also  dieses
Recht  durch  die  Bestimnrung  über  die  Rotenkoirtingentierung  zu  beschneiden. ­
  Schon  im  Jahre  1857  erklärten  aber  die  Bankdirektoren,
daß  sie  außerstande  seien,  den  Notenumlauf  zu  beeinflussen.  Heute
ist  in  der  Bank  von  England  der  Notenumlauf  oft  kleiner  als  der
Edelmetallvorrat,  der  nach  den  Grundsätzen  über  die  Notendeckung
höchstens  ein  Drittel  des  ersteren  zu  betragen  brauchte,  ist  auch
kleiner  als  die  Notenreserve,  nänüich  die  Menge  jener  Roten,  welche
die  Bank  in  ihren  Kassen  hält  und  auf  Grund  ihres  Edelmetallvorrates ­
  ausgeben  könnte,  tatsächlich  aber  nicht  ausgeben  kann,  weil
kein  entsprechender  Bedarf  an  Umlaufsmitteln  gegenübersteht.  Die
verschiedenen  Systeme  der  Notenkontingentierung,  welche  in  den
einzelnen  Staaten  den  Notenumlauf  und  damit  den  Geldumlauf
im  allgemeinen  regeln  sollen,  haben  also  ihre  theoretische  Begründung
verloren,  sind  aber  in  anderer  Hinsicht  nützlich,  weil  sie  einer  allzu
leichten  Kreditgewährung  in  kritischen  Zeiten  einen  gewissen  Damm
setzen.  Infolge  dieser  automatischen  Anpassung  an  den  Bedarf  kann
daher  der  Tauschwert  des  Geldes  nicht  selbständig  zur  Geltung
kommen,  er  wird  vielmehr  solange  als  konstant  betrachtet  werden
können,  so  lange  nicht  die  Grundlage  der  Währung  selbst,  die
Einlösungssicherheit  des  Papiergeldes  in  nationaler  und  die  Produktion ­
  der  Edelmetalle  in  internationaler  Hinsicht,  eine  Verschiebung
erfährt.
Dritter  Erfahrungssatz:  Bei  der  heutigen  Entwicklung ­
  des  Geldwesens  sind  die  Entwertung  des
Papiergeldes  und  die  Steigerung  der  Goldproduktion
die  einzig  möglichen  Ursachen  einer  Beeinflussung
der  Wert-  und  Preisbildung  seitens  des  Geldumlaufes
in  der  Volkswirtschaft.
Im  allgemeinen  bilden  sich  in  den  heutigen  Kulturländern  die
Bargeldvorräte  der  privaten  und  öffentlichen  Wirtschastskörper
nach  den  voraussichtlich  zu  leistenden  Zahlungen,  richten  sich  nach
dem  Bedarf  an  Zahlungsmittel::  und  sind  daher  ohne  Einfluß  aus
die  Wert-  und  Preisbildung  der  Waren.  Wohl  aber  können  Fälle
eintreten,  in  denen  diese  Bargeldvorräte  eine  künstliche,  von  dem
einzelnen  Wirtschaftskörper  nicht  beabsichtigte  und  ihm  auch  oft
unmerkliche  Steigerung  erfahren,  so  daß  neue  Zahlungsakte  hervorgerufen ­
  und  alte  beschleunigt  werden,  also  eine  künstliche  Nachfrage