4.  Die  Verfügbarkeit  an  Geld  in  der  Volkswirtschaft.  159
Umlaufsmittel  für  die  Volkswirtschaft,  sondern  auch  neues  Kapital
für  sich,  und  zwar  ein  Leihkapital,  indem  er  auf  Kosten  der  Zukunft ­
  bei  der  inländischen  Bevölkerung  eine  Zwangsanleihe  aufnimmt. ­
  Durch  Banknoten  werden  Umlaufsmittel  vorhandenem
Kapital,  durch  Staatsnoten  aber  fiktivem  Kapital  gegenübergestellt.
Mit  diesem  fiktiven  Kapital  deckt  der  Staat  Bedürfnisse,  für  welche
die  regelmäßigen  Einnahmen  nicht  ausreichen,  bezahlt  er  Beamte,
Militär,  Heereslieferanten  usw.,  vermehrt  auf  diese  Weife  die
Bargeldvorräte  einer  großen  Zahl  von  Einzelwirtschaften,  wodurch
neue  Zahlungsakte  hervorgerufen  und  die  aus  älteren  Tauschakten
beschleunigt  werden.  Die  Nachfrage  wird  künstlich  belebt,  die
Warenpreise  steigen,  bald  aber  erweist  sich,  daß  diese  Steigerung
nur  eine  scheinbare  ist,  weil  in  Wirklichkeit  der  Tauschwert  des
Geldes  sinkt.  Diese  Tatsache  wird  ersichtlich  an  der  Senkung  des
Wertes  der  Staatsnoten  im  Verhältnis  zu  dem  inländischen
Metallgelde,  das  nunmehr  für  internationale  Zahlungen  (von
Wechseln  abgesehen)  allein  in  Betracht  kommt  und  deshalb  abfließt,
und  zu  dem  ausländischen  Gelde  überhaupt,  soweit  es  vollwertig
ist.  Eine  Wiederherstellung  des  früheren  Tauschwertes  kann  dann
nur  dadurch  erfolgen,  daß  das  fiktive  Kapital  entweder  durch
Wiedereinlösung  der  zuviel  ausgegebenen  Staatsnoten  rückgezahlt
oder  durch  Entwertung  und  Außerkurssetzung  desselben  (Staatsbankrott) ­
  vernichtet  wird;  in  ersterem  Falle  trägt  den  Verlust
der  Staatsschatz,  in  letzterem  die  Bevölkerung.
Eine  internationale  Veränderung  des  Geldwertes  kann  sich
nur  durch  eine  Verschiebung  des  Verhältnisses  von  Angebot  und
Nachfrage  in  den  Währungsmetallen  oder,  da  das  Silber  so  ziemlich
ausgeschaltet  ist,  nur  in  Gold  ergeben.  In  der  Tat  ist  neuestens
wieder,  besonders  in  der  amerikanischen  Literatur,  die  Befürchtung
ausgesprochen  worden,  daß  die  große  Zunahme  der  Goldproduktion
an  der  allgemein  konstatierten  Verteuerung  der  Waren  schuld  ist.
Dieser  Meinung  entsprechend  hat  der  Präsident  der  Vereinigten
Staaten  von  Amerika  in  seiner  Botschaft  vom  2  Februar  1912
eine  internationale  Konferenz  angeregt,  denn  wenn  das  Übel  international ­
  sei,  könne  auch  die  Heilung  nur  aus  diesem  Wege  gesucht
werden.  Theoretisch  liegt  die  Möglichkeit  vor,  praktisch  kann  aber
nur  durch  eine  Zergliederung  des  gegenwärtigen  Verhältnisses  von
Angebot  und  Nachfrage  für  Gold  die  richtige  Beantwortung  gefunden ­
  werden.  Für  das  Angebot  ist  bei  jeder  Ware  nicht  die
produzierte,  sondern  die  verfügbare  Menge  maßgebend.  Während