5.  Die  Verteilung  der  Verfügbarkeit  an  Geld  auf  die  Einzelwirtschaften.  161

5.  Die  Verteilung  der  Verfügbarkeit  an  Geld  auf  die
Einzelwirtschaften.
Erfahrungssatz:  Von  der  Verteilung  der  Verfügbarkeit ­
  an  Geld  auf  die  Einzelwirtschaften,  die  sich
gewöhnlich  aus  der  Abstufung  der  Einkommen  ergibt,
hängt  nicht  bloß  die  Quantität,  sondern  auch  die
Qualität  der  Bedarfsbefriedigung  ab.
Das  Einkommen  als  jener  Teil  der  Einnahmen,  welcher  aus
einer  dauernden  Bezugsquelle  fließt  und  deshalb  den  Konsumtionsfond
  bildet,  entscheidet  über  die  Kaufkraft  jedes  einzelnen  Wirtschaftssubjektes. ­
  Das  Vermögen  kommt  nur  als  eine  dieser  Bezugsquellen ­
  in  Betracht,  denn  jeder  würde  Raubbau  treiben,  der  nicht
von  dem  Ertrage,  sondern  von  der  Substanz  desselben  leben  wollte.
Die  Geldeinheit,  eine  Mark  oder  eine  Krone,  hat  im  allgemeinen
Taufchverkehr  denselben  Wert,  ob  sie  aus  der  Hand  des  Armen
oder  des  Reichen  stammt,  aber  der  im  Verhältnis  zum  Nutzungsvermögen ­
  festgestellte  Gebrauchswert  stellt  sich  um  so  höher  oder
um  so  tiefer  als  der  durch  den  Verkehr  gegebene  Tauschwert,  je
stärker  das  Einkommen  des  betreffenden  Wirtschaftssubjektes  von
dem  Durchschnittseinkommen  der  aus  dem  Markte  konkurrierenden
Einzelwirtschaften  nach  unten  oder  oben  abweicht.  Aus  dem  Durchschnittseinkommen ­
  ergibt  sich  die  Kaufkraft  der  Bevölkerung  oder
eines  Landes  beim  Vergleiche  mit  anderen.  Sie  ist  auch  um  so
größer,  je  stabiler  das  Einkommen  ist,  steht  also  in  einem  Industrielande
  mit  gleichmäßiger  Beschäftigung  höher  als  in  einem  Agrarlande ­
  mit  wechselnder  Ernte.  Die  jeweilige  Gestaltung  des  Geschäftes ­
  in  Britisch-Indien  hängt  von  der  Rechtzeitigkeit  und  der
Ausgiebigkeit  des  Monsoonregens  ab,  denn  danach  bestimmt  sich  der
Ernteausfall  und  damit  die  Absatzfähigkeit  für  industrielle  Erzeugnisse, ­
  besonders  für  Textilwaren.  Außerdem  ist  zu  beachten,  daß
das  Einkommen  nicht  bloß  dem  Konsumtionsfond,  sondern  auch  der
Kapitalsbildung  dient,  denn  jener  Teil,  der  nicht  verzehrt  wird,  wird
erspart  und  fließt  als  Kapital  der  Volkswirtschaft  zu.  Bei  einer
Änderung  der  Einkommensverhältnisse  zeigt  sich  nun,  daß  der  für
den  Konsnmtionsfond  bestimmte  Teil  weniger  elastisch  ist,  so  daß
bei  einer  Verminderung  des  Einkommens  die  Kapitalbildung  stärker
in  Mitleidenschaft  gezogen  wird  als  die  Kaufkraft.  Reicht  das  Einkommen ­
  nur  für  die  Speisung  des  Konsumtionsfonds  aus,  so  wird
bei  einer  Senkung  des  Einkommens  die  Kaufkraft  am  schärfsten
Gruntzel,  Wert  und  Preis.  11