8.  Der  Bedarf  an  Geld  in  der  Volkswirtschaft.  183
an  der  Geldwirtschaft  teilnimmt,  einen  verhältnismäßig  hohen
Bargeldvorrat  halten,  weil  sich  die  Einnahmen  in  die  Zeit  nach
der  Ernte  konzentrieren,  die  Ausgaben  aber  ungleichmäßig  auf
andere  Jahreszeiten  fallen.  In  diesen!  Mangel  der  Übereinstimmung
liegt  eine  Hauptursache  für  die  Verschuldung  solcher  Landwirte,  die
es  an  der  nötigen  Voraussicht  fehlen  lassen.  Bei  industriellen  und
kaufmännischen  Unternehmungen  ist  der  Warenumschlag  rascher,  so
daß  der  Bargeldvorrat  aus  diesem  Grunde  niedriger  gehalten
werden  kann;  steigernd  wirkt  dagegen  der  Eiitfluß  der  Konjunkturen,
die  zeitweise  eine  starke  Anspannung  herbeiführen  können.  Für
diesen  Fall  aber  steht  möglicherweise  Kredit  zur  Verfügung,  mit
dessen  Beschaffung  sich,  die  Banken  und  ähnliche  Unternehmungen
befassen,  die  zu  diesem  Zwecke  natürlich  auch  Bargeldvorräte  halten
müssen.
Die  wirklichen  Zahlungsakte  bilden  nur  einen  Teil  aller  Tausche
akte,  und  zwar  ist  dieser  Perzentsatz  um  so  kleiner,  je  größer  der
Wirtschaftskörper  ist,  weil  sich  dann  häufigere  und  ausgiebigere
Gelegenheiten  zu  Kompensationen  bieten.  Je  größer  die  Umsätze,
desto  kleiner  kann  also  der  Bargeldvorrat  gehalten  werden.  Der
gleiche  Vorteil  kann  nun  auch  von  kleineren  Wirtschaftskörpern  dadurch ­
  erreicht  werden,  daß  sie  ihre  Kassenführung  vereinigen,  denn
dann  fließen  ihre  Umsätze  der  Zahlungsabwicklung  nach  zu  einer
großen  Einheit  zusammen.  Wenn  beispielsweise  mehrere  industrielle
Unternehmungen  ihre  Kassenführung  einer  Bank  übertragen,  die  als
Verinittlerin  des  Zahlungs-  und  Kreditverkehrs  im  allgemeinen
täglich  Einnahmen  erhält  und  Ausgaben  bewerkstelligt,  so  schrumpft
bei  gleicher  oder  sogar  erhöhter  Sicherstellung  der  Zahlungen  der
zu  ihrer  Durchführung  notwendige  Bargeldvorrat  auf  einen  Bruchteil ­
  jener  Bargeldvorräte  zusammen,  welche  die  einzelnen  Unternehmungen ­
  bei  selbständiger  Kassenführung  ausweisen  müßten.
Diese  Zentralisation  der  Kassensührung  ist  namentlich  nach  der
Seite  des  Konsums  noch  sehr  entwicklungsfähig.  In  England  besorgen ­
  auch  Landwirte,  kleinere  Gewerbetreibende  und  Rentiers  ihre
Zahlungen  durch  eine  Bank.  Eine  enorme  Verringerung  der  Bargeldvorräte ­
  und  des  Geldumlaufes  ließe  sich  auch  in  den  Ländern
des  europäischen  Kontinents  erzielen,  wenn  sich  der  Staat  und  die
sonstigen  öffentlichen  Korporationen  darauf  einrichten  würden,  allen
Beamten  und  Angestellten,  die  dies  wünschen,  die  Bezüge  ohne
erschwerende  Formalitäten  dein  Konto  in  einer  Bank  zu  überweisen
und  die  Banken  ihrerseits  Vorsorge  treffen  würden,  daß  sie  auf