8.  Der  Bedarf  an  Geld  in  der  Bolkswirtsschaft.  185
europäischen  Kontinents,  in  denen  sich  der  Scheck  noch  nicht  so  eingebürgert ­
  hat  wie  in  England  und  Amerika,  ganz  besonders  aber
im  internationalen  Verkehre,  in  welchem  der  Auslandswechsel,  die
Devise,  so  bevorzugt  wird,  daß  der  Scheck  ganz  zurücktritt  und
Bargeld  nur  im  äußersten  Falle  verwendet  wird.  Infolge  der
beim  internationalen  Verkehr  notwendigen  Verlängerung  des  Umlaufes ­
  ist  die  Verzinslichkeit  des  Wechsels  sogar  ein  Vorteil  gegenüber ­
  dem  Scheck.  Durch  Kompensation  werden  Zahlungen  erspart
durch  den  Giroverkehr,  soweit  sich  Kunden  derselben  Bank  Zahlung
durch  Umschreibung  in  den  Büchern  der  Bank  leisten,  und  durch
den  Clearingverkehr,  durch  welchen  die  Banken  untereinander  in
Verkehr  treten,  so  daß  auch  eine  Kompensation  zwischen  Kunden
verschiedener  Banken  möglich  ist.  Auf  diese  Weise  werden  auch
die  mit  der  Scheckzahlung  verbundenen  Zeitverluste  und  Gefahren
vermieden.  Das  Umschreibungsverfahren  setzt  freilich  eine  ziemlich
einheitliche  Organisation  des  Bankwesens  voraus,  findet  daher  in
England  mit  seinen  vielen  Arten  von  Banken  weniger  günstige
Vorbedingungen  als  in  Deutschland  und  Österreich,  wo  die  Buchübertragungen ­
  im  Giroverkehr  die  größte  Rolle  spielen.
Zweiter  Erfahrungssatz:  Der  Geldbedarf  der
Volkswirtschaft  vermehrt  sich  mit  der  Steigerung
der  Warenumsätze,  vermindert  sich  aber  gleichzeitig
mit  der  Verbesserung  der  Wirtschaftsführung  und
des  Zahlungswefens.
Mit  zunehmender  Industrialisierung  der  gesamten  Produktion,
derzufolge  das  Fabrikat  den  Rohstoff  und  das  höherwertige  Fabrikat
das  minderwertige  verdrängt,  ergibt  sich  eine  größere  Stabilität  in
der  wirtschaftlichen  Güterversorgung  und  in  der  Einkommensbildung.
Die  Abhängigkeit  von  der  Natur  wird  vermindert  und  die  Wirkung
der  Konjunkturen  abgeschwächt.  Auf  diese  Weise  wird  die  für  Agrarländer ­
  typische  Erscheinung  eines  außerordentlich  angespannten
Geldbedarfes  zur  Zeit  der  Ernte  vermieden,  ferner  gestaltet  sich
auch  die  Entwicklung  von  Jahr  zu  Jahr  viel  gleichmäßiger.  Einen
gewissen  Anhaltspunkt  in  dieser  Beziehung  geben  die  Ziffern  über
den  Banknotenumlauf,  weil  nach  der  in  Europa  bestehenden
Organisation  des  Geldwesens  die  Banknoten  den  am  meisten
elastischen  Teil  des  Gelduinlaufes  bilden.  In  Frankreich  betrug
beispielsweise  seit  dem  Jahre  1848  die  Differenz  zwischen  dem
Maximum  und  dem  Minimum  des  Notenumlaufes  in  einem  Jahre
niemals  mehr  als  20  %;  sie  hält  sich  meist  in  der  Höhe  von  etwa  10  °/o.