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IV.
Oer  internationale  Tauschwert.
1.  Die  klassische  Theorie  der  internationalen  werte.
Die  klassische  Nationalökonomie,  die  in  ihrer  individualistischen
Atomisierung  immer  nur  eine  aus  Einzelpersonen  bestehende  Menschheit ­
  vor  Augen  hatte  und  sich  nur  an  die  natürlichen  Grundlagen
der  wirtschaftlichen  Tätigkeit  hielt,  konnte  im  Laufe  der  Entwicklung
doch  nicht  stillschweigend  an  der  Tatsache  vorübergehen,  daß  der
Bestand  der  großen  staatlichen  Wirtschaftskörper  eine  gewisse
Brechung  der  von  ihr  gefundenen  „Naturgesetze"  der  Volkswirtschaft ­
  verursacht.  Die  Anpassung  der  Lehre  an  diese  Tatsache  erfolgte ­
  in  der  Theorie  der  internationalen  Werte,  wie  sie  zunächst
von  den  beiden  Mills  aufgestellt,  dann  von  C.  F.  Bastable
(The  Theory  of  International  Trade,  2uä  edition,  London  1897)
weiter  ausgebildet  und  neuestens  in  einer  Auswärmung  durch
Luigi  Fontana-Russo  (Trattato  di  politica  commerciale,
Milano  1907,  deutsche  Übersetzung,  Leipzig  1911)  gerade  in
Deutschland  als  Ergebnis  „tiefgründiger  Forschung"  gläubig  aufgenommen ­
  wurde.
Bastable  erklärt,  daß  im  internationalen  Verkehre  nicht  die
Produktionskosten  den  Tauschwert  bilden,  sondern  die  Erwerbskosten,
oder  genauer  gesprochen,  die  Produktionskosten  jenes  Gutes,  welches
man  im  Tausche  hingibt,  also  nicht  jenes,  welches  man  im  Tausche
erhält.  Nicht  die  absoluten,  sondern  die  relativen  Produktionskosten
kommen  in  Betracht  (law  of  comparative  cost).  Man  müsse  die
Kosten  jener  Güter,  welche  getauscht  werden,  miteinander  vergleichen,
nicht  aber  die  Kosten  desselben  Gutes  in  den  tauschenden  Ländern.
Es  könne  dann  zweckmäßig  sein,  eine  Ware  zu  importieren,  selbst
wenn  die  Erzeugung  im  eigenen  Lande  mit  geringeren  Kosten  vor
sich  gehen  könnte  als  in  jenem  Lande,  welches  diese  Ware  exportiert.
Die  Insel  Jersey  könnte  Weizen  vorteilhafter  bauen  als  England,
sie  finde  aber  einen  noch  größeren  Vorteil  darin,  Früchte  und  Früh ­