1.  Die  klassische  Theorie  der  internationalen  Werte.  191

kartoffeln  zu  bauen  und  das  nötige  Getreide  zu  importieren.  Umgekehrt ­
  könne  es  vorteilhaft  sein,  eine  Ware  auch  unter  ungünstigen
Bedingungen  im  Jnlande  zu  produzieren,  als  sie  unter  günstigeren
Bedingungen  ans  dem  Auslande  zu  beziehen.  Es  wäre  aber,  so
meint  er,  verfehlt,  den  ganzen  internationalen  Handel  oder  auch
nur  einen  Teil  von  diesem  Gesichtspunkte  aus  anzusehen,  denn  in
der  Regel  werden  solche  Waren  exportiert,  für  welche  das  betreffende
Land  ain  besten  geeignet  ist.  Nehmen  wir  an,  ein  Land  A  könne
mit  einer  Einheit  seiner  Produktivkraft  10  Mengeneinheiten  einer
Ware  x  und  20  Mengeneinheiten  einer  Ware  y,  das  Land  B  dagegen ­
  mit  derselben  Einheit  10  x  und  15  y  herstellen.  Die  beiden
Länder  werden  also  mit  Vorteil  tauschen,  das  Land  A  wird  nur  y
für  den  Konsum  und  für  den  Export,  das  Land  B  nur  x  produzieren. ­
  Die  Gesamtproduktion  beider  Länder  werde  gesteigert,  denn
vor  dem  Tausche  sei  das  Endresultat  (10  x  aus  A  +  10  x  aus  B)
—  20  x  und  (20  y  aus  A  +  15  y  aus  B)  =  35  y,  nach  dem
Tausche  dagegen  20  x  (Resultat  beider  Produktivkrafteinheiten  von  B)
und  40  y  (Resultat  beider  Produktivkrafteinheiten  von  A),  es  ergebe ­
  sich  daher  ein  Gewinn  von  5  y.  Die  Verteilung  des  Vorteiles ­
  unter  die  tauschenden  Länder  richte  sich  nach  dem  Mengenverhältnis ­
  der  Nachfrage.  Nehmen  wir  an,  die  Länder  A  und  B
eröffnen  das  Tauschgeschäft  zu  einem  Verhältnis  von  10  x  =  16  y
und  beide  dieser  Waren  werden  1000  mal  gefragt.  Da  gewinnt  A
4  y  und  B  1  y.  Nun  trete  eine  Verschiebung  ein.  A  verlange
1100  mal  10  x,  während  B  nach  wie  vor  nur  1000  mal  16  y  kauft.
A  muß  infolge  der  Erhöhung  seiner  Nachfrage  nach  x  eine  größere
Menge  von  y,  z.  B.  17  y  für  10  x,  bewilligen,  der  höhere  Wert
von  x  aber  schränkt  diese  Nachfrage  wieder  ein.  B  erlangt  durch
die  Werterhöhung  seiner  Ware  x  eine  größere  Kaufkraft  und  dehnt
daher  seine  Nachfrage  aus.  Die  beiderseitigen  Nachfragen  werden
sich  bei  einer  zwischen  1100  und  1000  liegenden  Mengenziffer,  etwa
bei  1050,  treffen,  das  Gleichgewicht  wird  also  wiederhergestellt  sein,
denn  es  werden  nunmehr  1050mal  10  x  gegen  1050mal  17  y  getauscht. ­
  Durch  das  Zusammenwirken  mehrerer  Länder  und  Waren
entstehen  dann  zahlreiche  Komplikationen.  Bastable  hat  damit
die  Lehre  Mills  nur  einseitiger  gemacht,  denn  Mill  hatte  den  Einfluß ­
  der  Mengen  auf  die  Gestaltung  der  internationalen  Werte  viel
kritischer  behandelt.
Außerhalb  Englands  hat  die  Lehre  wenig  Beachtung  gefunden,
am  meisten  noch  bei  Mang  oldt  (Grundriß  der  Volkswirtschafts ­