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IV.  Der  internationale  Tauschwert.

lehre,  Stuttgart  1863).  Neuestens  hat  sie  der  italienische  Nationalökonom ­
  Lnigi  Fontana-Russo  wieder  hervorgezogen  (Grundzüge ­
  der  Handelspolitik,  deutsche  Übersetzung,  Leipzig  1911),  um
sie  mit  der  heute  anerkannten  Handelspolitik  zu  versöhnen,  zu  der
sie  in  diametralem  Gegensatze  steht.  Er  bekennt  zunächst,  daß  die
Ansicht  Ricardos  und  Mills  durch  die  Erfahrung  nicht  bestätigt ­
  werde,  derzufolge  sich  Arbeit  und  Kapital  zwar  innerhalb
eines  Landes,  aber  nicht  von  Land  zu  Land  übertragen.  Die  Hindernisse ­
  geographischer  Natur  (Eutfernungen),  politischer  Natur  (Verschiedenheit ­
  der  Staatseinrichtungen),  ethnischer  und  sozialer  Natur
(Verschiedenheit  der  Rassen,  der  Sprache,  der  Religion,  der  Gebräuche ­
  usw.)  seien  nicht  mehr  unüberwindlich,  wirken  aber  doch
noch  einschränkend,  so  daß  im  internationalen  Verkehre  die  „Profite"
und  Löhne  nicht  um  denselben  Schwerpunkt  schwanken  können,  die
Kosten  der  Waren  naturnotwendig  verschieden  hoch  werden  und  daher
auch  der  internationale  Austausch  unter  anderen  Bedingungen  vor
sich  geht  als  der  binnenländische.  Ganz  in  Übereinstimmung  mit
Bastable  erklärt  er,  daß  der  Tauschwert  oder  der  „Tauschmaßstab" ­
  der  Waren,  wie  er  sagt,  im  internationalen  Handel  abhängt ­
  von  der  Intensität  der  Nachfrage  eines  jeden  Landes,  jedoch
stets  innerhalb  der  vom  Vergleichswerte  der  Kosten  festgelegten
Grenzen.  Die  Intensität  der  Nachfrage  drückt  sich  seiner  Meinung
nach  lediglich  in  der  Menge  der  gefragten  Waren  aus.  Da  sich
hierbei  die  verschiedenen  Waren  gegenseitig  beeinflussen,  so  werden
die  Tauschbedingungen  immer  bestimmt  sein  von  der  Nachfrage,  die
jedes  Land  äußert  nach  allen  Waren  des  anderen,  welche  Gegenstand ­
  internationalen  Handels  bilden.  Die  Ausfuhr  eines  jeden
Landes  mache  sich  genau  durch  die  Einfuhr  bezahlt.
Ergötzlichen  Rechenfehlern  verdankt  er  die  Erweiterung  dieser
Theorie  durch  Berücksichtigung  des  Geldes.  Im  allgemeinen  huldigt
er  der  bekannten  Anschauung,  daß  sich  die  Edelmetalle  infolge  der
allgemeinen  Konkurrenz  so  unter  die  verschiedenen  Länder  der  Welt
verteilen,  daß  sich  der  internationale  Handel  so  vollzieht  als  wäre
er  ein  primitiver  Tausch.  Die  Gleichung  der  internationalen  Nachfrage ­
  nach  Waren  bildet  also  auch  dann  das  Normalverhältnis,
der  Export  stellt  sich  gleich  mit  dem  Import.  Bei  einer  Störung
dieser  Gleichung  wird  Edelmetall  vom  Schuldnerland  ins  Gläubigerland ­
  gesendet.  Im  Gläubigerland  bewirkt  aber  diese  Zufuhr  eine
Ermäßigung  des  Geldwertes  und  eine  Erhöhung  des  Warenwertes,
während  sich  im  Schuldnerland  das  gerade  Gegenteil  vollzieht.