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IV.  Der  internationale  Tauschwert.

während  doch  jedes  Land  darauf  bedacht  sein  muß,  nicht  bloß  eine
billige  Bedarfsdeckung,  sondern  auch  die  Mittel  zur  Bedarfsdeckung
sicherzustellen,  und  zwar  nicht  bloß  für  die  unmittelbare  Gegenwart,
sondern  auch  für  die  absehbare  Zukunft.  Was  nützt  dem  Lande  der
Bezug  von  billigem  Weizen,  wenn  es  nicht  genug  anderer  Waren
produzieren  kann,  um  diesen  Weizen  zu  bezahlen,  auch  ist  es  ja
nicht  ausgemacht,  daß  der  fremde  Weizen  immer  billig  und  die
eigene  Ware  im  Auslande  immer  gut  bezahlt  fein  wird.  Die  Produktion ­
  eines  Landes  ist  keine  feststehende  Größe,  sondern  bedarf
zu  ihrer  Entwicklung  der  Vielseitigkeit,  der  Beständigkeit  und  der
Industrialisierung.  Wenn  ein  Land  seinen  natürlichen  Vorteil  darin
fände,  Weizen  zu  bauen,  so  könnte  man  ihm  doch  nicht  raten,  sich
ausschließlich  dieser  Produktion  zu  widmen,  denn  die  Monokultur
ist  gefährlich;  das  Land  wird  dadurch  abhängig  von  der  Preisgestaltung ­
  eines  einzigen  Artikels,  die  häufig  von  einer  ausländischen
Börse,  der  Börse  des  wichtigsten  Konsumlandes  beherrscht  wird
und  auch  künstlich  beeinflußt  werden  kann.  Aber  selbst  wenn  die
Monokultur  vermieden  wird,  so  muß  dieser  durch  natürliche  Vorteile ­
  ausgezeichnete  Produktionszweig  doch  eine  verhältnismäßig
große  Ausdehnung  erlangen.  Nun  differieren  die  Produktionskosten
nicht  bloß  räumlich,  sondern  auch  zeitlich,  so  daß  ein  Land,  welches
in  einem  Jahr  die  niedrigsten  Produktionskosten  aufweist,  schon  im
nächsten  Jahre  durch  ein  anderes  verdrängt  werden  kann.  Dem
Lande  A  wird  beispielsweise  statt  des  Weizenbaues  plötzlich  der
Weinbau,  dem  Lande  H  statt  der  Eisenindustrie  die  Baumwollindustrie ­
  kouvenabler  erscheinen;  sollen  nun  mit  einem  Schlage  die
Weizenfelder  in  Weingärten,  die  Kohlengruben  und  Hochöfen  in
Spinnereien  und  Webereien  verwandelt  werden?  Ein  solcher  llbergang
  wäre,  wenn  er  sich  überhaupt  durchführen  ließe,  mit  ungeheuren ­
  Verlusten  an  Kapital  und  Arbeitsgeschicklichkeit  verbunden.
Daß  aber  solche  entscheidende  Änderungen  in  den  Produktionskosten
vorkommen,  lehrt  ein  Blick  auf  die  landivirffchaftlichen  Produkte,
wo  die  Gesamtkosten  ziemlich  gleich  bleiben,  aber  je  nach  dem  Ausfall ­
  der  Ernte  in  einem  Jahre  auf  viele  und  in  einem  anderen
Jahre  auf  wenige  Produkteinheiten  aufzuteilen  sind.  Gegen  diese
Eventualitäten  hält  sogar  Fontana-Ruf  so  die  Einführung  von
Schutzzöllen  für  angezeigt;  freilich  gerät  er  dadurch  in  Gegensatz
zu  dem  Grundgedanken  der  Theorie,  die  eine  echt  freihändlerische
ist,  denn  er  gelangt  damit  zu  dem  Paradoxon  eines  Schutzzolles
für  den  Freihandel.  Schließlich  wird  dabei  übersehen,  daß  die