2.  Die  Besonderheiten  des  internationalen  Tauschwertes  auf  Seite  der  Ware.  201

Wirtschaftskörper  in  Konkurrenz  treten.  Mit  dem  Verlassen  des
Wirtschaftsgebietes  ändern  sich  nämlich  die  Voraussetzungen  der
wirtschaftlichen  Tätigkeit,  in  mehr  oder  minder  starkem  Maße  die
Verhältnisse  der  äußeren  Natur  und  der  Bevölkerung,  in  radikaler
Weise  aber  die  für  die  moderne  Produktion  imnter  wichtigere  Gesellschaftsordnung, ­
  nämlich  die  sozialen  Verhältnisse,  die  rechtlichen
Einrichtungen,  die  politischen  Zustände,  die  wirtschastspolitischen
Einwirkungen,  die  Belastung  durch  Steuern  und  öffentliche  Dienstleistungen ­
  usw.  Der  Hauptfehler  der  klassischen  Nationalökonomie
war  es,  daß  sie  diese  Verschiebung  der  Grundlagen  übersah  und  zwei
Märkte  ohne  Rücksicht  darauf  betrachtete,  ob  sie  innerhalb  eines  Wirtschaftsgebietes ­
  liegen  oder  verschiedenen  Volkswirtschaften  angehören.
Bei  der  Bildung  des  internationalen  Tauschwertes  erfahren
die  für  den  Bedarf  und  für  die  Verfügbarkeit  an  Ware  in  der
Volkswirtschaft  aufgestellten  Erfahrungssätze  eine  Modifikation.  Vor
allem  kommt  es  aus  die  für  den  internationalen  Markt  wirksame
Nachfrage  und  auf  die  für  den  internationalen  Markt  verkaufsbereite ­
  Warenmenge  an.  Es  gibt  wohl  Waren,  die  ausschließlich
oder  hauptsächlich  für  fremde  Märkte  produziert  werden,  wie  Kautschuk ­
  in  Brasilien,  Kaffee  in  Zentralamerika,  Zinn  in  Ostasien  usw.
Der  gewöhnliche  Fall  aber  ist,  daß  die  Ware  zunächst  einem  Markte
mit  nationaler  Tauschwertbildung  zufließt  und  auf  dem  internationalen ­
  Markte  nur  der  Überschuß  von  Angebot  und  Nachfrage
zur  Geltung  kommt.  Österreich-Ungarn  ist  z.  B.  bei  sehr  guter  Ernte
in  Weizen  exportfähig,  muß  aber  bei  schlechter  Ernte  einen  Importbedarf ­
  decken.  Angebot  und  Nachfrage  Österreichs  in  Weizen  auf
den:  Weltmärkte  hängen  also  davon  ab,  wie  sich  Angebot  und  Nachfrage
  auf  dem  inneren  Markte  zueinander  verhalten.
Der  zweite  Ersahrungssatz,  daß  Angebot  und  Nachfrage  mit
dem  Markte  nicht  bloß  in  territorialer,  sondern  auch  in  haudelstechnischer
  Hinsicht  wechseln,  erhält  insofern  eine  Ergänzung,  als
die  internationale  Übertragung  häufig  auch  eine  haudelstechnische
Veränderung  bedingt,  weil  sich  Angebot  und  Nachfrage  des  Großhandels ­
  bedienen  müssen.  Artikel  der  Hausindustrie  können  im
Erzeugungslande  von  den  Produzenten  selbst  im  Wege  des  Hausierhandels ­
  abgesetzt  werden,  für  den  Export  nach  anderen  Ländern
wird  aber  die  Mitwirkung  des  Großhandels  unentbehrlich  sein
und  damit  eine  Schachtelung  handelstechnisch  verschiedener  Märkte
zwischen  Heimarbeitern  und  Faktoren,  Faktoren  und  Verlegern,
Verlegern  und  auswärtigen  Importeuren  usw.  entstehen.