3.  Die  Besonderheiten  des  internationalen  Tauschwertes  aus  Seite  des  Geldes.  203
der  auf  die  Elastizität  des  Bedarfes  und  der  Produktion  hinweist.
Der  Bedarf  erhält  neue  Anregung  durch  den  Nachahmungstrieb,
welchen  die  am  höchsten  in  der  Kultur  stehenden  Gebiete  in  den
übrigen  wecken.  Die  Produktion  erhält  durch  die  Heranziehung  verfchieden
  begabter  Arbeitskräfte  Möglichkeiten  einer  günstigeren  Entwicklung. ­
  Dazu  trägt  auch  die  im  fünften  Erfahrungssatz  festgestellte
Tatsache  bei,  daß  sich  Bedarf  und  Produktion  immer  mehr  von
ihren  natürlichen  Grundlagen  entfernen  und  sich  gerade  auf  jene
gegebene  Grundlage  der  wirtschaftlichen  Tätigkeit  stützen,  die  mit
dem  Wechsel  des  Wirtschaftsgebietes  die  radikalste  Veränderung
erfährt,  nämlich  die  Gesellschaftsordnung.  Damit  steigert  sich  auch
die  gegenseitige  Abhängigkeit  der  Bedürfnisse  und  Produktionszweige,
auf  welche  der  sechste  Erfahrungssatz  hinweist.
3.  Die  Besonderheiten  des  internationalen  Tauschwertes ­
  auf  Seite  des  Geldes.
Der  nationale  Tauschwert  wird  auf  Seite  des  Geldes  wenig  beeinflußt, ­
  da  unter  den  heutigen  Verhältnissen  in  den  Kulturländern
eine  automatische  Anpassung  des  Geldumlaufes  an  die  Warenumsätze
erfolgt.  Der  internationale  Tauschwert  ist  Einflüssen  von  dieser
Seite  stärker  ausgesetzt,  weil  eine  Veränderung  sowohl  in  den
Produktionsverhältnissen  der  beiden  Edelmetalle  als  auch  im  Umlaufe ­
  der  Papiergeldes  eine  Verschiebung  im  Geldwertniveau  der
Wirtschaftsgebiete  untereinander  herbeiführen  kann.  Der  praktisch
wichtigste  Fall  ist  der  der  Geldentwertung,  und  zwar  entweder  durch
Senkung  des  Silberpreises  im  Silberwährungslande  gegenüber  einem
Goldwährungslande  oder  durch  übermäßige  Papiergeldausgabe  im
Papierwährungslande  gegenüber  Ländern  mit  Metallwährungen.
Die  Geldentwertung  wirkt  nach  zwei  Richtungen.  Sie  vermindert ­
  die  Kaufkraft  des  Geldes  gegenüber  den  Waren  im  Jnlande,
  und  zwar  direkt  dadurch,  daß  zahlreiche  Bedürfnisse,  besonders
solche  des  Staates  (Heeresausrüstung,  Besserung  der  Staatsbeamtengehälter ­
  u.  dergl.),  befriedigt  werden,  für  welche  die  regulären  Geldmittel ­
  nicht  ausgereicht  hätten,  und  dadurch  eine  künstliche  Belebung
der  Erwerbstätigkeit  erzeugt  wird,  indirekt  aber  auch  durch  den
Verkehr  mit  dem  Auslande,  weil  die  Verteuerung  der  importierten
Waren  auf  die  inländischen  zurückwirkt,  weil  ferner  die  aus  dem
Ausland  kommenden  Fremden  das  Leben  sehr  billig  finden  und
durch  leichteres  Geldausgeben  den  Geldwert  auch  in  den  Augen  der