8.  Die  Besonderheiten  des  internationalen  Tauschwertes  auf  Seite  des  Geldes.  205
muß.  Bei  einer  zeitweiligen  Verminderung  der  Geldwertdifferenz
verwandelt  sich  sogar  der  ursprüngliche  Vorteil  in  einen  gleichartigen ­
  Nachteil.  Mit  Unrecht  saßt  Adolf  Wagner  die  aus  der
Geldentwertung  entstehende  Exportprämie  deshalb  als  eine  Schädigung
der  Volkswirtschaft  auf,  weil  die  „Exportprodukte  als  Produkte
heimischer  Arbeit  gegen  einen  entsprechend  geringeren  Gegenwert,
in  Gold  und  in  anderen  konkreten  Gütern  bemessen,  hingegeben",
für  das  betreffende  Minus  daher  „verschenkt"  werden.  Wie  kann
von  einem  Verschenken  die  Rede  sein,  wenn  die  Ware  nicht  mehr
Arbeit  erfordert  als  früher  und  das  Arbeitsresultat  mit  derselben
Menge  inländischen  und  ausländischen  Geldes  entlohnt  wird  wie
bisher,  da  sich  nur  das  Verhältnis  zwischen  dem  inländischen  und
dem  ausländischen  Gelde  geändert  hat?  Darin  zeigt  sich  die  Unhaltbarkeit ­
  der  Erklärung  des  Tauschwertes  durch  die  Größe  des
Arbeitsaufwandes.  Die  volkswirtschaftlichen  Schäden  liegen  wo
anders.  Ungünstig  ist  nänilich  die  Einkommensverteilung,  weil  die
Exportprämie  zunächst  dem  Zwischenhandel  und  nicht  der  Produktion
zufließt.  Weiter  wirken  die  unberechenbaren  Schwankungen  der
Wechselkurse  im  höchsten  Grade  demoralisierend,  weil  der  aleatorische
Charakter  des  Geschäftes  weite  Kreise  der  Bevölkerung  von  der
produktiven  Arbeit  ablenkt  und  zu  unproduktiven  Valutaspekulationen
verleitet.
Die  Wirkungen  auf  die  entsprechende  Einfuhr  von  Waren  in
den  Absatzgebieten  hängen  von  dem  Verhältnis  ab,  in  welchem
diese  Waren  zu  der  Produktion  des  betreffenden  Absatzgebietes  stehen.
Sind  es  Waren  des  persönlichen  Konsums,  die  in  dem  betreffenden
Absatzgebiete  überhaupt  nicht  produziert  werden,  so  wird  dadurch
die  Lebenshaltung  verbilligt.  Durch  Bedarfsartikel  für  den  technischen ­
  Konsum  wird  die  Produktion  sogar  gefördert.  Falls  aber
solche  Waren  im  Absatzgebiete  ebenfalls  hergestellt  werden,  bedeutet
die  Zufuhr  aus  dem  Entwertungslande  eine  die  Produktivität  gefährdende ­
  Konkurrenz.
Die  Wirkungen  auf  die  Einfuhr  von  Waren  im  Entwertungslande ­
  sind  identisch  mit  den  Wirkungen  eines  automatischen  Einfuhrzolles, ­
  weil  die  ausländischen  Waren  mit  einer  größeren  Menge
inländischen  Geldes  bezahlt  werden  müssen,  um  den  Betrag  der
Geldwertdifferenz  (des  Agios)  also  verteuert  werden.  Bei  Waren
des  persönlichen  Konsums,  die  vom  Auslande  bezogen  werden  müssen,
wird  die  Lebenshaltung  verteuert;  doch  sind  solche  Waren  mehr
oder  weniger  als  Luxusgegenstände  zu  betrachten.  Die  Verteuerung