206

IV.  Der  internationale  Tauschwert.

der  Waren  des  technischen  Konsums  erschwert,  falls  ihr  Bezug  aus
dem  Auslande  nicht  umgangen  werden  kann,  die  Produktion  und
behindert  deren  Konkurrenzfähigkeit  auf  dem  Weltmärkte.  Soweit
aber  die  aus  dem  Auslande  bezogenen  Waren  im  Inlands  hergestellt ­
  oder  durch  Jnlandsprodukte  surrogiert  werden  können,  erfährt ­
  die  Jnlandsproduktion  einen  Antrieb  zur  weiteren  Entwicklung.
Eine  Gegentendenz  durch  Verteuerung  der  Produktionskosten  tritt
insofern  ein,  als  mit  der  Entwicklung  der  inländischen  Produktion
der  Bezug  ausländischer  Bedarfsartikel  in  höherem  Maße  unentbehrlich ­
  wird,  der  aus  der  Geldentwertung  automatisch  entstehende
Zollfchutz  aber  nicht  wie  der  in  einem  modernen  Zolltarife  planmäßig ­
  entwickelte  Zollfchutz  die  Produktionsbedürfniffe  berücksichtigt,
sondern  unterschiedslos  Rohstoffe,  Halbfabrikate  und  Ganzfabrikate
ihrem  Werte  nach  gleich  belastet.  Die  Ausgleichung  kann  aber
keine  vollständige  fein,  weil  die  Geldwertdifferenz  keine  stabile  ist,
sondern  häufigeren  Schwankungen  unterliegt,  der  daraus  entstehende
Zollschutz  also  nur  abzüglich  einer  gewissen  Versicherungsprämie
wirken  kann.  Jede  Besserung  des  Geldwertes  bedeutet  umgekehrt
eine  Herabsetzung  des  Zollschutzes.  Auch  hier  ist  die  Annahme
Wagners  über  die  Ursache  der  volkswirtschaftlichen  Schädigung
unrichtig;  sie  kaufe,  so  meint  er,  „die  fremden  Einfuhrprodukte
reell  teurer,  gegen  ein  höheres  Quantum  von  Arbeitsaufwand"  und
müsse  sie  „mit  einem  höheren  Betrage  einheimischer  Produkte  erwerben". ­
  Der  Schaden  der  Volkswirtschaft  besteht  vielmehr  darin,
daß  der  Zollschutz  gleich  einem  allgemeinen  Wertzoll  ein  so  roher
ist,  daß  er  mit  der  einen  Hand  fast  ebensoviel  oder  sogar  noch  mehr
nimmt  als  er  mit  der  anderen  gibt,  daß  er  ferner  infolge  seiner
Unbeständigkeit  und  Unsicherheit  gerade  die  bei  steigender  Industrialisierung ­
  notwendige  Erhöhung  der  dauernden  Investitionen  hindert.
Die  Wirkungen  auf  die  entsprechende  Ausfuhr  von  Waren
in  den  Bezugsländern  ergeben  sich  aus  der  Stellung,  welche  das
Bezugsland  in  der  Versorgung  einer  bestimmten  Ware  einnimmt.
Ist  das  Geldentwertungsland  auf  den  Bezug  aus  dem  Auslande
angewiesen  und  das  Bezugsland  in  der  Auswahl  seiner  Märkte  frei,
so  wird  letzteres  keinen  Nachteil  auf  sich  nehmen.  Wenn  aber  das
Bezugsland  eine  Schmälerung  seines  Absatzes  und  damit  eine  Einschränkung ­
  seiner  Produktion  zu  fürchten  hat,  so  wird  es  im  Interesse ­
  der  Erhaltung  der  gewohnten  Handelsbeziehungen  auch  einen  Teil
des  Gewinnes  zu  opfern  geneigt  sein  und  dadurch  die  Höhe  des  aus
der  Geldentwertung  entstandenen  Zollschutzes  zu  mildern  trachten.