212

IV.  Der  internationale  Tauschwert.

Förderlich  und  hinderlich  kann  sich  ferner  die  beim  Kapital  stärkere
Verbindung  mit  der  Person  des  Besitzers  erweisen,  denn  nunmehr
wirken  auch  persönliche  Vorliebe  für  Volk  und  Land,  Gleichheit  der
Nationalität  und  Sprache,  politische  Motive  u.  dergl.  bei  der  Bestimmung ­
  der  Richtung  und  Art  der  Kapitalsanlage  mit.
Noch  komplizierter  ist  das  Wesen  der  internationalen  Wanderungen, ­
  denn  bei  ihnen  können  die  außerwirtschaftlichen  Motive,
die  bei  der  Wanderbewegung  der  Waren  und  Kapitalien  nur  mitspielen, ­
  die  Oberhand  gewinnen,  und  zwar  sind  das  zahlreiche
persönliche,  politische,  nationale  und  religiöse  Momente.  Ferner
ist  die  eigentümliche  Doppelrolle  des  Menschen  zu  berücksichtigen.
Aus  der  einen  Seite  verkörpert  er  als  Träger  der  Arbeitskraft  einen
der  beiden  Produktionsfaktoren,  auf  der  anderen  Seite  aber  bezeichnet ­
  er  als  Träger  des  Konsums  das  Endziel  der  wirtschaftlichen
Tätigkeit  überhaupt.  Ein  wesentlicher  Unterschied  ist  es,  ob  der
ein  anderes  Wirtschaftsgebiet  aufsuchende  Mensch  mehr  als  werbende
oder  als  zehrende  Kraft  kommt,  ob  er  eine  Gelegenheit  zum  Erwerb
oder  eine  Annehmlichkeit  des  Aufenthaltes  sucht.  Im  ersteren  Falle
ist  er  ein  Faktor  des  Fremdenverkehrs,  im  letzteren  dagegen  ein
Faktor  der  Auswanderung.
Der  Fremde,  der  ein  anderes  Wirtschaftsgebiet  nur  als  Konsuinent
  aussucht,  kann  wieder  dauernden  oder  vorübergehenden
Aufenthalt  beabsichtigen.  Bei  einem  dauernden  Aufenthalte  kann
man  von  einer  Rentneransiedelung  sprechen,  auch  wenn  das  Kapital
in  der  Heimat  bleibt  und  nur  die  daraus  fließenden  Bezüge  im  Auslande ­
  verzehrt  werden.  Wenn  ein  Engländer  nach  Frankreich  übersiedelt ­
  und  sein  Kapital  in  einer  englischen  Bank  liegen  läßt,  so  ist
dieses  Kapital  nicht  mehr  englisches,  sondern  französisches  und  in
England  angelegtes  Kapital;  es  ist  entnationalisiert  worden,  auch
wenn  der  Engländer  nach  seiner  Übersiedelung  seine  Nationalität
behält.  Auch  der  ins  Ausland  übersiedelnde  Pensionist  schafft  eine
Forderung  des  Bestimmungslandes  an  das  zur  Pensionszahlung
verpflichtete  Land.  Bei  vorübergehendem  Aufenthalt  finden  nicht
internationale  Kapitalsübertragungen,  sondern  nur  internationale
Zahlungen  statt,  die  als  Erträgnisse  des  Fremdenverkehrs  in  manchen
Ländern  (Frankreich,  Italien,  Schweiz  usw.)  eine  große  Rolle  spielen.
Die  Auswanderung  ist  wieder  dauernd,  wie  besonders  die  überseeische ­
  Auswanderung  mit  den  beiden  großen  Zentren  Europa
(Italien,  Österreich-Ungarn  usw.)  und  Ostasien  (Südchina),  oder
vorübergehend,  wie  die  besonders  für  die  europäische  Landwirffchaft