214

IV.  Der  internationale  Tauschwert.

in  Europa,  wird  nur  den  Konsum  und  nicht  die  Produktion  des
Einfuhrlandes  berühren,  außer  wenn  letztere  Erzeugnisse  liefert,  die
zu  den  ersteren  im  Surrogatverhältnisse  stehen,  wie  z.  B.  Getreide
zu  Reis.  Rohstoffe  und  Hilfsmaterialien  aller  Art  werden  der
Industrie  vorteilhaft  sein,  wenn  sie  sonst  erweiterungsfähig  ist.
Die  Einfuhr  von  Fabrikaten  kann  eine  Verringerung  der  eigenen
Produktivkraft  bedeuten,  wenn  sie  die  mit  höheren  Kosten  arbeitenden
Unternehmungen  des  Inlandes  bedrängt  oder  erdrückt,  kann  freilich
unter  Umständen  auch  ein  Ansporn  sein,  um  die  Konkurrenzfähigkeit
auf  dem  Weltmärkte  anzustreben.  Der  Jnlandskonsum  kann  durch
den  stärkeren  Wettbewerb  des  Auslandes  günstiger  gestellt  werden.
Ob  aber  die  durch  ihn  bewirkte  Preissenkung  von  Dauer  sein  wird,
hängt  doch  davon  ab,  ob  die  Jnlandsproduktion  erhalten  bleibt  und
welche  Rolle  dieser  Absatz  bei  der  betreffenden  Auslandsproduktion
spielt.  Wird  die  Jnlandsproduktion  verdrängt,  so  kann  sich  die
siegreiche  Auslandskonkurrenz  möglicherweise  durch  spätere  Preise
erhöhungen  für  die  Opfer  entschädigen,  die  sie  während  der  Zeit
des  Kampfes  gebracht  hat.  Arbeitet  aber  die  Auslandsproduktion
für  den  Weltmarkt,  so  wird  sie  kaum  in  der  Lage  sein,  in  ihren
Absatzgebieten  eine  verschiedene  Preispolitik  zu  befolgen;  eine  solche
wird  nur  bei  einem  Abhängigkeitsverhältnis  möglich  sein,  wie  es
etwa  für  Kalisalze  zwischen  Deutschland  und  den  Vereinigten  Staaten
von  Amerika  besteht.  Das  Ausfuhrland  wird  eine  Steigerung
seines  Exports  in  Fabrikaten  gern  sehen,  weil  es  dadurch  seine
Industrie  erweitern,  sowie  durch  bessere  Riskenverteilung  und  größere
Spezialisierung  leistungsfähiger  machen  kann.  Die  Ausfuhr  kann
ihm  aber  auch  wichtige  Rohstoffe,  wie  Erze,  Holz  usw.  entziehen,
kann  ferner  Produktion  und  Konsum  gleichzeitig  hemmen,  wenn
das  Nachbarland  Lebensmittel  abnimmt  und  sie  durch  eine  allzu
lebhafte  Nachfrage  auch  im  Herkunstslande  übermäßig  verteuert.
Der  Kapitalszufluß  wird  für  das  empfangende  Land  befruchtend
sein,  wenn  die  zugeführten  Waren  Kapital  bleiben,  also  der  Herstellung
neuer  wirtschaftlicher  Werte  gewidmet  werden.  Am  günstigsten  wird
sich  hierbei  das  Leihkapital  erweisen,  während  das  fremde  Unternehmerkapital ­
  größere  Gefahren  in  sich  bergen  kann.  Die  Begründung ­
  von  Filialfabriken  ausländischer  Unternehmungen  weckt
die  Produktivkräfte  und  schafft  Arbeitsgelegenheit;  überdies  sind
solche  Filialen  immer  einem  Nationalisierungsprozeß  ausgesetzt,  der
auf  einen  tatsächlichen  Kapitalsgewinn  hinausläuft.  Die  Nachteile
werden  leicht  das  Übergewicht  bekommen,  wenn  mit  den  Unter ­