5.  Die  wirtschaftliche  Schutzpolitik.

215

nehmungen  gemeinwirtschastliche  Interessen  verknüpft  sind,  die  durch
ausländische  Unternehmer  nicht  entsprechend  gewahrt  werden  können,
wie  bei  Eisenbahnen,  Hafenanlagen,  Gas-  und  Elektrizitätswerken ­
  usw.  Der  Kapitalsexport  kann  insoserir  nachteilig  sein,  als
er  den  Unternehmungsgeist  im  Lande  erschlafft,  denn  die  Bevölkerung
wird  es  bei  hinreichender  Sicherheit  vorziehen,  die  Kapitalien  gegen
höhere  Verzinsung  dem  Auslande  zu  leihen,  statt  sie  in  eigenen
Unternehmungen  zu  verwenden.  Wenn  dann  auch  noch  durch  Ausbreitung ­
  materiellen  Wohlstandes  auf  die  breiten  Schichten  der
Bevölkerung  der  Anreiz  zum  Aufstieg  aus  den  unteren  in  die  oberen
Klassen  verloren  geht,  wird  das  Land  zum  „Rentnerstaat"  wie
Frankreich.  Durch  die  starken  Auslandsverpflichtungen  kann  weiter
die  Unterbringung  von  Anleihen  des  eigenen  Staates  erschwert
werden.  Möglicherweise  aber  dienen  die  dem  Auslande  geliehenen
Kapitalien  dazu,  den  politischen  Gegner  in  einen,  künftigen  Kampfe
zu  stärken,  denn  sie  können  auch  zum  Ankauf  von  Kriegsmaterial
verwendet  werden.  Der  letztere  Nachteil  haftet  übrigens  auch  den,
internationalen  Warentausch  an,  denn  ein  Industrieland  kann  Geschütze ­
  und  sonstiges  Kriegsmaterial  verkaufen,  mit  welchem  das
eigene  Heer  bekämpft  wird.
Ein  wichtiger  Vorteil  des  Kapitalsexports  besteht  in  seiner
Förderung  des  Warenexports.  Anleihen  in  das  Ausland  werden
häusig  unter  der  selbstverständlichen  oder  ausdrücklichen  Bedingung
gegeben,  daß  je  nach  dem  Verwendungszwecke  dieser  Anleihe  das
Gläubigerland  Lieferungen  für  Eisenbahnbauten,  Straßenbauten,
Hafenanlagen,  für  Kriegsmaterial  u.  dergl.  oder  Konzessionen  für
Eisenbahnen,  Bergwerke  und  sonstige  gemeinwirtschaftliche  Interessen
berührende  Unternehmungen  erhält.  Diese  Verbindung  wird  dadurch
begünstigt,  daß  die  modernen  Banken  Vermittler  der  freu,den  Anleihen ­
  und  zugleich  Stützen  der  exportierenden  Fabrikünternehluungen
sind.  Überdies  wird  die  Regierung  des  Gläubigerlandes  in  die
großen  Finanzgeschäfte  eingeweiht,  die  infolgedessen  Gelegenheit
findet,  auf  die  Berücksichtigung  der  heimischen  Industrie  Einfluß
zu  nehmen.
In  der  englischen  Finanzpresse  wird  sogar  zwischen  Kapitalsexport ­
  und  Warenexport  ein  ähnlicher  Ausgleichsmechanismus  angenommen, ­
  wie  ihn  schon  früher  die  Nationalökonomie  zwischen
Warenexport  und  Wechselkursen  konstruiert  hat.  Wenn  sich  in
eine»,  kapitalsreichen  und  stark  exportierenden  Lande  wie  England
der  Warenexport  verringert,  so  verinindert  sich  auch  die  Möglichkeit