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IV.  Der  internationale  Tauschwert.

von  Kapitalsinvestitionen  im  Inlands.  Infolgedessen  vergrößert
sich  der  Kapitalsexport,  der  aber  eben  durch  seine  Verbindung  mit
den  Warenumsätzen  den  Warenexport  neu  belebt.  Die  bessere  Beschäftigung ­
  der  Exportindustrie  bindet  aber  wieder  größere  Kapitalien
und  hindert  ihr  Abströmen  ins  Ausland  und  so  fort.  Diese  Annahme ­
  ist  aber  unrichtig.  Vor  allem  erstreckt  sich  die  belebende
Wirkung  des  Kapitalsexports  nur  auf  einen  Teil  des  Warenexports,
kann  also  in  dem  handelsstatistisch  wiedergegebenen  Endresultat
durch  eine  entgegengesetzte  Entwicklung  in  anderen  Warengruppen
mehr  als  ausgeglichen  werden.  Die  Kapitalsinvestitionen  im  Ausland ­
  können  den  Export  der  Kanonenfabriken  und  Schiffswerften
fördern,  aber  weniger  oder  gar  nicht  den  der  Textilfabriken.  Dann
hängt  der  Geschäftsgang  in  Massenartikeln  weniger  von  den  Produktionsverhältnissen ­
  eines  Landes  als  von  der  allgemeinen  geschäftlichen ­
  Konjunktur  ab.  Ist  die  Konjunktur  allgemein  schlecht,  dann
vermindert  sich  nicht  bloß  der  Warenexport,  sondern  auch  der
Kapitalsexport,  weil  einem  größeren  Angebote  an  Kapitalien  ein
geringerer  Bedarf  entspricht,  infolge  des  schärferen  Wettbewerbes
der  Kapitalsbesitzer  werden  sich  aber  die  Schuldnerländer  auch
weniger  leicht  die  Bedingung  vorschreiben  lassen,  bei  ihren  Warenbezügen ­
  das  Gläubigerland  zu  bevorzugen.  Wäre  der  Geschäftsgang
bloß  in  England  schlecht,  so  wäre  dies  nur  ein  Beweis  für  die
geminderte  Konkurrenzfähigkeit  des  Landes;  die  Aussicht,  durch
ausländische  Kapitalsinvestitionen  den  Warenexport  zu  steigern,
wäre  noch  geringer,  weil  der  höhere  Preis  der  zu  beziehenden  Waren
von  dem  Schuldnerland  in  die  Anleihekosten  hineinkalkuliert  wird
und  infolgedessen  bei  sonst  gleichen  Bedingungen  (Zinsfuß  und
Wernahmskurs)  der  englische  Geldmarkt  gemieden  oder  nur  indirekt
über  andere  Geldmärkte  herangezogen  wird.  So  hat  Brasilien  im
Jahre  1910  Geld  in  Frankreich  geborgt  und  trotz  der  dagegen
geführten  Preßkampagne  das  Kriegsmaterial  in  Deutschland  gekauft,
weil  es  dort  billiger  war.  Am  allerwenigsten  läßt  sich  der  besprochene ­
  Ausgleichsmechanismus  dadurch  beweisen,  daß  man  nach
der  englischen  Handelsstatistik  das  Wachstum  des  Einfuhrüberschusses
mit  einer  Minderung  des  Kapitalsexports  in  Verbindung  bringt
und  umgekehrt*),  schon  deshalb  nicht,  weil  der  Einfuhrüberschuß
doch  nicht  bloß  infolge  einer  Abnahme  der  Ausfuhr,  sondern  auch

tz  Sigmund  Schilder,  Entwicklungstendenzen  der  Weltwirtschaft.  Berlin
1912.  Band  I,  S.  377.