20 II. Des Geldes ABC. damit diese „Zeichen- oder Scheidemünzen“ ihren Zweck als Geld zu erfüllen vermögen. Im allgemeinen setzen die Völker eine bestimmte ­ Grenze für Benutzung der Scheidemünzen fest und rechnen sie für geringere Beträge zu gesetzlichen Zahlungsmitteln um. Beispielsweise ist in Großbritannien niemand verpflichtet, für mehr als zehn Dollar — 40 sh oder £ 2 — Scheidemünzen zu nehmen. Alle Silbermünzen werden in England als Scheidemünzen angesehen. Damit ist die Entwicklung dessen, was Geld ist, abgeschlossen, denn die gemünzten und geprägten Metallstücke kennzeichnen seine höchste Vollendung. Indessen habe ich noch' einige Bemerkungen ­ über diesen Punkt hinzuzufügen. Obgleich man denken könnte, daß wir in den geprägten Münzstücken ­ eine absolute Vollendung erreicht haben, und daß die Massen nunmehr in dem, was für ihr Wohlergehen so wesentlich ist — nämlich: vollgültiges Geld — nicht weiter betrogen werden können, so wurde doch selbst trotz des geprägten Goldes ein Weg ausfindig gemacht, das Publikum zu betrügen. Die Scheidemünzen wurden häufig von bedürftigen Regierungen nach erschöpfenden Kriegen oder Pestilenz herabgesetzt, wenn Völker entweder zu schwach oder zu arm waren, um sich von ihren Mißgeschicken gleich wieder zu erholen. Eine Münze wird dann eine „herabgesetzte ­ Münze“ genannt, wenn sie auf dem Markt nicht genug Metallwert hat, um die darauf durch Prägung angegebene Summe einzubringen. Dieses Verfahren, das einfach die Leute betrügt, ist nicht neu, sondern schon sehr alt. 574 Jahre vor Christi Geburt haben die Griechen ihre Münzen herabgesetzt. Das gleiche taten die römischen Kaiser, sobald sie sich in einer finanziellen Klemme befanden. England setzte im Jahre 1300 gleichfalls seine Münzen herab. Das schottische Geld war einstmals so wertlos, daß ein Dollar (4 M.) nur 12 Cent (48 Pfennige) Metallwert besaß. Irländische, ­ spanische, französische, deutsche Regierungen haben es alle mit herabgesetzten Münzen versucht, wenn sie keine höheren Steuern mehr auf anderem Wege herauspressen konnten. In solchen ­ Fällen wollten sie eben von ihrem Volke auf indirektem Wege mehr Geld haben. Ihr letztes Hilfsmittel blieb immer schlechte Münze. Alles das sind alte Geschichten. Heutzutage sinken erstklassige Völker nicht mehr so weit herab. Dennoch