Geldmangel und Geldgebrauch. 23 Geschäft und Ausgleich werden also jetzt nicht durch Geld — will sagen durch den eigentlichen Artikel Geld — bewerkstelligt. Wie in vergangenen Zeiten die Artikel nicht mehr ausgetauscht wurden, sobald ein Metall, genannt Geld, für den Austausch der verschiedenen Werte benützt werden konnte, geradeso wird jetzt das Metall nicht mehr zu diesem Zwecke benutzt. Der Scheck oder die Tratte des Käufers, ein Stück Papier, das seinen Wert erst durch das in der Bank niedergelegte Gold erhält, ist alles, was zwischen Käufer und Verkäufer hin- und herwandert. Warum nimmt der Verkäufer oder der, welcher die Schuld einkassiert, dieses Stückchen Papier? Weil er darauf rechnet, das darauf hin versprochene Gold im Bedarfsfälle jederzeit dafür bekommen zu können. Zugleich weiß er, daß er das Gold selbst nicht brauchen wird, weil er alles, was er zu kaufen wünscht, für dieses selbe Stückchen Papier erhalten kann, und weil jeder, dem er etwas schuldet, gerade wie jeder Verkäufer, seinen eigenen Scheck — ein gleiches Stück Papier — dafür nehmen wird, und zwar anstatt Gold. Vor allem hat, und das ist das allerwichtigste, jedermann das Vertrauen, daß die Grundlage — nämlich das Gold, — seinen .Wert nicht verändern wird. Denn, um es nicht zu vergessen: ein mögliches Steigen in diesem Artikel würde geradeso schlimm wir ken, wie ein mögliches Fallen im Werte, da Wertunveränderlich keit für die Massen des Volkes die wichtigste Eigenschaft des Geldes ist. Wenn die Leute also mehr Geld für den Wertumlauf verlangen — das will sagen: eine größere Menge des Artikels, den sie für den Austausch aller anderen Artikel nötig haben — so ist leicht zu ersehen, daß nicht Geld im eigentlichsten Sinne des Wortes verlangt wird, sondern Kredit. Niemand, der Weizen oder Tabak verkaufen will, hat irgend welche Umstände, Geld dafür zu er halten. Vor kurzer Zeit war bei uns in Amerika eine sehr schwere finanzielle Krisis. Es hieß, man könne kein Geld zu Geschäften erhalten; aber nicht das Geld mangelte, sondern der Kredit und das Vertrauen, also gerade das, worauf, wie wir früher gesehen, jede geschäftliche Transaktion — abgesehen von kleinen Einkäufen und Zahlungen, die kaum Geschäft genannt werden können — beruht. Heute wieder geht kein Geschäftsmann über die Straße,