Ansprache an Arbeiter. 59 ist nichts so erfrischend als die Lektüre eines guten Romans. Es zeugt durchaus von keinem Mißbrauch der öffentlichen Bibüor theken, wenn die Werke der schönen Literatur am meisten ge lesen werden. Gerade im Gegenteil, es fragt sich, ob überhaupt eine andere Literaturgattung so gut dem wichtigen Zwecke dienen würde, hart Arbeitende aus dem prosaischen und trockenen Pflichtenkreise des Alltagslebens emporzuheben. Die Werke Walter Scotts, George Eliot’s, Thackeray’s, Dickens und anderer von gleicher Bedeutung haben für Arbeiter ebensoviel Wert, wie die jedes anderen Literaturzweiges. Sie alle wissen, wieviel das industrielle Wissen jenen Ver besserungen und Erfindungen schuldet, die ihre erste Veranlassung den Arbeitern selbst verdanken. Merken Sie nur vor allem: die Verbesserungen und Erfindungen kommen stets von dem gebil deten — „gebildet“ im wahrsten Sinne des Wortes — und niemals von dem unwissenden Arbeiter. Sie müssen von Männern stam men und stammen auch wirklich von Männern, die auf ihrem besonderen Gebiete mehr Wissen besitzen als ihre Kameraden. Wenn sie auch nichts gelesen haben, dann haben sie eben beob achtet, und das ist die beste Art, sich zu bilden. Die Hauptsache besteht eben darin, daß sie überhaupt Wissen besitzen; wie sie zu ihrem Wissen gekommen sind, bleibt gleichgültig, ihre Fähig keit, über ein Problem mehr zu wissen als ihre Kameraden, eine Abhilfe oder eine Verbesserung vorzuschlagen, ist allein für sie selbst und für ihre Arbeitgeber von Wert. Nichts bringt dem Arbeiter so sicher eine Vormannschaft, Direktorenstellung, Teil haberschaft ein, als das Wissen alles dessen, was geleistet worden ist und was heutzutage geleistet wird auf dem besonderen Ge biete, auf dem er arbeitet. Vom Niedrigsten bis zum Höchsten hinauf vermag der intelligente Mann besseres zu leisten als der Unwissende. Seine Kenntnisse sind ihm immer förderlich, und ob er sie in der Stellung eines leitenden Direktors oder bloß als ein Mann, der nur die Schaufel handhabt, besitzt — er wird in jedem Falle ein wertvollerer Arbeiter sein, vorausgesetzt, daß alles andere gleichwertig ist. Aus meiner Praxis als Fabrikant weiß ich, daß unsere Firma mancherlei Mißgriffe gemacht hat, einzig durch Vernachlässigung der Regel, niemals etwas Neues