66 V. Sparen eine Pflicht. anderen abhängt. Derjenige, der abhängig ist, hat nicht die volle Höhe der Männlichkeit erreicht und kann kaum unter die wür digen Staatsbürger gezählt werden. Sicherheit und Fortschritt eines Landes hängt weder von den Hochgebildeten, noch von den Millionären, noch von der größeren Zahl der Armen ab', sondern von der Zahl der nüchternen, intelligenten, fleißigen und spar samen Arbeiter, die weder sehr arm, noch sehr reich sind. Die Pflicht des Sparens hat aber auch ihre Grenzen. Gewöhnlich ist der sparsame Mann auch ein guter Gatte, ein trefflicher Vater und ein friedlicher, den Gesetzen gehorsamer Bürger. Die Ersparnisse brauchen auch nicht gerade groß zu sein. Es ist überraschend, mit wie wenig Geld man die nötigen Lebensbedürfnisse zu bestreiten vermag. Eine kleine schulden lose Häuslichkeit und wenige hundert Pfund, ganz wenige — das ist alles, was dazu nötig ist. Beides ist von sparsamen Leuten schneller erworben, als man denkt. Großer Reichtum ist etwas ganz anderes und viel weniger wünschenswert. Weder der Zweck des Sparens noch die Pflicht des Menschen besteht darin, Millionen zu erwerben. Es ist ganz und gar keine Tugend, dergleichen als Endzweck aufzustellen, vielmehr endet die Pflicht des Sparens, sobald wir die, welche von uns abhängen, anständig versorgt haben. Millionen zusammenzuscharren ist nicht Spar samkeit, sondern Geiz. Allerdings bleibt es unter den bestehen den industriellen Verhältnissen unvermeidlich, daß wenige, sehr wenige weit über ihre Verhältnisse hinaus Geld machen. Die Anhäufung von Millionen ist gewöhnlich das Ergebnis von Unter nehmungsgeist, richtigem Urteil und außerordentlicher Organisa tionsfähigkeit. Es ist kein Ergebnis gewöhnlichen Sparens. Leute, welche im Alter nur darauf ausgehen, ihr schon großes Vermögen noch zu vermehren, sind gewöhnlich Sklaven ihres schon in jungen Jahren hervortretenden Geizes. Zu allererst sind sie die Herren des Geldes, welches sie erworben und erspart haben, später wird das Geld ihr Herr; sie können nicht mehr anders; so über mächtig ist die Macht der Gewohnheit, im Guten wie im Bösen. Mißbrauch, nicht rechter Gebrauch' des Spartriebes, bringt diese Klasse von Leuten hervor. Nie wird jemand solchem Sparmißbrauch zum Opfer fallen,