72 VI. Wie kann man ein Vermögen erwerben? leitenden Stellung der Geschäftswelt scheint den Schluß zu recht- fertigen, daß höhere Bildung für jeden größeren Geschäftserfolg geradezu verhängnisvoll ist. Es verdient in Erinnerung gebracht zu werden, daß mit festem Gehalt Angestellte doch nicht so eigent lich im Geschäft stehen. Ein Hauptmann im Gebiete der Industrie erwirbt alles selbst in seinem Geschäft; er ist von seinem persön lichen Arbeitsertrag, vom Erfolge seines Geschäftes durchaus ab hängig. Gerade im praktischen Leben hat der Hochgebildete, der mit zwanzig Jahren ins Geschäft tritt, nur wenig Aussicht auf Erfolg im Vergleich zu dem Jungen, der mit 14 Jahren das Comptoir ausfegt, oder als Verladungsgehilfe beginnt. Die Tat sachen beweisen das. Man hat zwar Beispiele dafür, daß mit höherer Bildung ausgestattete Söhne von Geschäftsleuten, welche sich dem Geschäftsleben widmeten, mit Erfolg ein schon be stehendes Geschäft leiten; dennoch ist die Zahl solcher verhältnis mäßig gering, verglichen mit denen, welchen es nicht gelingt, das überkommene Vermögen zu erhalten. Immerhin sind während der letzten Jahre polytechnische und wissenschaftliche Schulen oder auch Studienkurse für junge Leute eröffnet worden, die bereits höchst wertvolle Früchte für industrielle Betriebe gezeitigt haben. Der gelernte Mechaniker, der, wie wir bereits gesehen haben, bis jetzt die meisten Ehren in unseren Industrie werken einheimste, findet nun seinen Nebenbuhler in dem wissenschaftlich gebildeten Jüngling, der ihn in Zukunft hart, ja sehr hart bedrängen dürfte. Drei der größten Stahlwerke stehen bereits unter der Leitung von drei technisch vorgebildeten jungen Männern: Studenten, welche die Schultheorien mit der Praxis vertauschten, obgleich sie noch in den ersten Jünglingsjahren standen. Walker von der Illinois Stahlkompagnie, Schwab von den Edgar Thomson-Werken, Potter von den Homestead Stahlwerken in Pittsburg sind Typen dieser neuen Schule, und keiner von ihnen ist auch nur 30 Jahre alt. Die meisten diesen jungen Leitern unterstehenden Abteilungsvor steher gehören derselben Klasse an. So vorbereitete junge Leute haben einen bedeutenden Vorteil über den gelernten Mechaniker; sie besitzen seinen offenen Blick und sind ohne Vorurteil. Die wissenschaftliche Schulung des Geistes und der Trieb nach Wahr heit macht sie für neue Ideen empfänglich. Groß und unschätzbar