74 VI. Wie kann man ein Vermögen erwerben? ich ausdrücklich bemerken, daß ich hier nur die glücklichen jungen Leute im Auge habe, die sich ihren Lebensunterhalt verdienen müssen; dagegen ist der Verfasser dieser Zeilen der Allerletzte, denjenigen, welche genügende Mittel besitzen, gegen eine aka demische Bildung zu raten: ist doch mit ihr verglichen aller Geld gewinn, selbst des vielfachen Millionärs wertlos. Für den Armen aber ist es erste Pflicht, ein hinreichendes Vermögen zu erwerben, und Pflichterfüllung ist mehr wert, als alle Universitätsbildung wert sein mag. Höhere Bildung gibt dem, der sie wirklich voll in sich aufnimmt, einen vornehmen Geschmack und höhere Ziele, als der Erwerb von Reichtümern; sie öffnet ihm eine Welt voll Entzücken, zu welcher dem, der nichts anderes als ein Millionär ist, der Schlüssel fehlt; daher liegt in dem Beweis, daß höhere Bildung nicht die beste geschäftliche Erziehung ist, zugleich die Anerkennung ihres Anrechtes für eine höhere Welt. Wahre Er ziehung kann auch 1 außerhalb der Schulen erlangt werden; das Genie pflegt für gewöhnlich nicht in Akademien einheimisch zu sein; es gleicht einer wilden im Walde aufwachsenden Blume, die keiner Pflege von seiten der Gesellschaft bedarf — die Durch schnittsbegabung dagegen bedarf der Universitäten. Der junge Praktiker, welcher an der Wechselbank oder am Zahltisch steht und dem sich die holde Göttin Fortuna bis dahin noch nicht geneigt erwiesen, mag zu dem Schlüsse kommen, daß! es für ihn unmöglich ist, in unserer Zeit ein eigenes Geschäft zu gründen. Darin liegt etwas Wahres. Zweifellos wird es heutzu tage unendlich schwieriger, ein neues Geschäft anzufangen, als früher; dennoch besteht die Schwierigkeit mehr in der veränderten Art und Weise als in der Möglichkeit der Sache selbst. Denn es ist heutzutage auch um ein Bedeutendes leichter für einen ge schickten jungen Mann, eine Teilhaberschaft in bereits bestehenden Firmen zu erwerben, als es jemals vorher war. Die Fähigen finden die Türen keineswegs verschlossen; im Gegenteil, die Pforten öffnen sich ihnen jetzt viel leichter. Kapital ist dabei heute nicht nötig und selbst Familieneinfluß zählt nicht mehr, wie in alten Zeiten. Wahre Geschicklichkeit und wirkliche Leistungsfähigkeit waren niemals gesuchter als eben jetzt, und haben niemals vorher einen so hohen Lohn gefunden.