54 eine solche Verleihung das Bergregal angemaßt haben. Um ein Beispiel herauszuziehen, so erklärte König Wenzel II. von Böhmen und Mähren alle wo immer in seinem Reiche belegenen Bergwerke als sein Eigentum, als Besitzungen seiner Kammer. Den Anspruch auf die von ihm er forderten Bergwerksabgaben gründet er nicht auf seine Steuerhoheit, sondern darauf, daß es ihm als Eigentümer der Bergwerke freistehe, die Bedingungen eigenmächtig festzusetzen, unter denen er den Bergbau Privatpersonen zu gestatten für gut befinde *. Es möge, so fügt er hinzu, sich jeder Bergbaulustige vorher überlegen, ob er unter den ihm vom Könige gestellten Bedingungen des Königs Bergwerke bauen wolle! 1 2 Auch die Könige von Frankreich haben sich als Eigentümer der Bergwerke angesehen und aus diesem Eigentume ihr Recht auf die Abgaben hergeleitet. „Es quelles mines“, sagt König Karl VI. in seinem Patente vom 30. Mai 1413 3 , „et autres quelconques 4 5 etant en notre royaume nous ayons et nous devons avoir et ä nous et pas ä autre appertient de plein droit . . . la dixieme partie purifiee de tous metaux qui en icelles mines est ouvree et mise en claire.“ Seine volle Würdigung findet dies Patent, wenn man sich vorhält, daß es nicht gegen die Grundbesitzer oder die Bergbaubetreibenden, sondern gegen die Territorialherren, barons, seigneurs, gerichtet war, welche sich das Eigentum an den in ihren Gebieten gelegenen Berg werken angemaßt und bezüglich aller Metalle außer Gold 6 Jahrhunderte hindurch in der Zeit der ständischen Herrschaft auch besessen hatten 6 . Nicht minder betrachteten sich die Könige Englands, so lange und so weit sie überhaupt imstande waren, das Bergregal gegen die wachsende 1 Schmidt, Sammlung des österreichischen Bergrechts Bd. 1 S. 46: Nonne licet nobis de possessionibus nostrae camerae prout voluerimus ordinäre? 2 Das. si nostra voluerit sic colere montana. 3 Bei E. Lame Fleury, De la legislation mindrale sous ancienne monarchie, Paris 1857, p. 1 suiv. 4 Es war zunächst von Bergwerken in gewissen Teilen des Landes die Rede. 5 Nach der Parömie „fortune d’or au roi, fortune d’argent au baron“, Stein und Warnkönig I 463. Pasteret, Ordonnances des rois de la troisieme race Tome XV p. XXXIV. Mispoulet p. 71. Histoire du Languedoc vom Jahre 1184 V nr. 661, VIII nr. 54, X nr. 364. S. auch Naudier p. 12, Biot p. 23, 24. 6 Bei Lame Fleury; «Et il soit ainsi, que plusieurs seigneurs, tant d’eglise comme seculiers qui ont jurisdictions hautes, moyennes et basses les territoires esquels les dites mines sont assises, veulent et s’effbrcent d’avoir en icelles mines la dixiöme partie purifiee et autre droit comme nous, ä qui seid et non ä autre eile appartient de plein droit, comme dit est. »