2 v. Plener, Allein bei den einzelnen Versuchen dieser Associationsform haben sich bisher so viele Schwierigkeiten, ja selbst auch Widersprüche mit dem grundlegenden Principe der Einheit beider Productionsfactoren gezeigt, daß auf diesem Wege die Beseitigung des Salariats nichts weniger als einfach und wahrscheinlich erscheint. Man muß daher untersuchen, ob jene Zwiespältigkeit in der heutigen Industrie nicht innerhalb des gegenwärtigen Productionsshstems überwunden oder doch gemildert werden kann, ob es nicht angeht mit Beibehaltung des Lohnsystems wieder eine gewisse Gemeinsamkeit des Interesses an der Unter nehmung durch Theilnahme der Arbeiter am Producnonsgewinne zu erzeugen, wobei zugleich die socialistische Vorstellung von der Unproductivität des Ca pitals und von dem Rechte der Arbeit auf den ganzen Productivnsertrag vorweg ausgeschlossen wird/ Die Entwicklung der gesellschaftlichen Vorstellung so wie der national- öconomischen Doctrin über das Verhältniß der Lohnarbeiter geht von dem bloß persönlichen Dienstverhältnisse des Arbeiters zur Stellung eines Theil- nehmers an der Production. Im Stadium der Sclaverei und der leibeige nen Arbeit wird der Arbeiter mit seinem Lebensunterhalt abgefunden und hat weiter gar keine Beziehung zum Product. Aber auch in dem spätern Sta dium des Geldlohnes ist der Arbeiter ohne irgend eine Theilnahme am Pro- ducte. In diese Zeit fällt die Entstehung der nationalöconomischen Theorie vom sog. Lohnfonds. Sowie der mittelalterliche Grundbesitzer einen gewissen Fonds zur Erhaltung seiner Knechte besitzen mußte, so nahm inan einen ge wissen Capitalbetrag an, aus welchem die Löhne der ganzen gewerblichen Arbeiterzahl bestritten werden sollten. Diese Theorie macht den Lohnsatz von dem Verhältniß zwischen Capital und Bevölkerung abhängig und setzt ihn in ein umgekehrtes Verhältniß zum Capitalgewinne, und gemäß des concomitan- ten Satzes, daß Nachfrage nach Sachgütern keine Nachfrage nach Arbeit sei, läugnet sie den Einfluß der Productenpreise auf den Lohn und umgekehrt. Diese heute als Irrthum aufgezeigte Doctrin ist gleichwohl noch in der Bor stellungsweise der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorherrschend und liegt den meisten Vorstellungen über das gegensätzliche Verhältniß zwischen Capital und Arbeit zu Grunde. Die Arbeiter erscheinen nicht als Theilnehmer an rer Production, sondern als mit fixem Lohne bezahlte Dienstleute, ohne weitere wirthschaftliche Beziehung zum Product. Die Lohnausgabe erscheint als ein Theil der Productionskosten, dessen Herabsetzung wie die anderer Kosten an zustreben ist; als Producent, welcher allein den Gewinn der Unternehmung erhält, erscheint nur der- Unternehmer. Die Arbeiter stehen daher dem Ca pital feindselig gegenüber, von dem sie, da sie es nicht selbst erwerben können, möglichst viel herausdrücken wollen; daher stellen sie oft ohne Rücksicht aus den Preis der Producte die Arbeit ein, uin das Capital zu Lohnerhöhungen zu zwingen, darum verringern sie in Gewerkvereinen durch einschränkende Re geln das Arbeitsquantum und die Zahl der Lehrlinge, verhindern Stückarbeit, damit das so verringerte Arbeitsangebot eine um so größere Quote aus dem Lohnfonds erhalte. Tie Arbeiter streben daher nach möglichst hohem und