20 Weigert. So scheint mir der Schluß gestattet, daß der Unternehmer-Gewinn einerseits als solcher gerechtfertigt ist, andererseits im Verhältniß zum Arbeits lohn keine ungehörige Höhe erreicht. Halte ich somit einen aus der Theorie herzuleitenden Anspruch der Arbeiter auf Theilnahme am Unternehmer-Gewinn für ungerechtfertigt, so fragt sich fetzt, ob aus Opportunitätsrücksichten dessen praktische Durchführung für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer als wünschenswerth zu erachten ist. Wir leben in einem socialen Kriege, so heißt es; Arbeitgeber und -Nehmer stehen sich schroff gegenüber, ein Ausgleich, eine Versöhnung ist für die Moralität und Existenz der Einzelnen, wie für die Fortentwickelung der Industrie dringend nothwendig. Zu diesein Kriege haben die gebildeten, besitzenden Klassen dem Arbeiter die Waffen geschmiedet. Sie haben durch Wort und That, in Ver sammlungen und Parlamenten ihm die Rechte erobert, deren Besitz ihn heute befähigt, sein Jntereffe energisch zu vertreten. Der Unternehmerstand hat kräftig mitgeholfen in diesen Bestrebungen. Er hat bei der Einführung der Ge werbefreiheit, Freizügigkeit, Coalitionsfreiheit, der Aufhebung der Schulvhaft, den freiheitlichen Bestimmungen in der Gewerbe-Ordnung und ähnlichem theils direct mitgewirkt, theils den neuen Bestimmungen gern zugestimmt; er hat die mannigfachen Auswüchse, welche zu seinem und ganzer Industriezweige Schaden durch die zum Theil zu schnell erfolgenden Umwälzungen zu Tage treten, als krankhafte Ausschreitungen erkannt, welche die fortschreitende Bil dung und Erkenntniß der Arbeiter beseitigen wird, — nicht aber die Rück kehr in die alten Verhältnisse erwünscht und erstrebt. Er hat dem Wohler gehn der Arbeiter pecuniäre und geistige Opfer gebracht, den Bau von Arbeiterwohnungen, die Einrichtung von Kranken-, Invaliden- und Unter- stützungskassen in die Hand genommen, für gesunde Beschaffenheit der Fabrik räume Sorge getragen. Unsere modernen Fabriken bieten dem Arbeiter einen Aufenthalt, wie ihn unsere Beamten in ihren Büreauzimmern, unsere Professoren in ihren Auditorien nur selten finden. Unter allen Ständen er hält sich der Industrielle vermöge seiner Beschäftigung am längsten den Idealismus. Der Landwirth producirt gegebene Dinge, auf deren Heroor- bringung ihm die Elemente nur geringen Einfluß gestatten; — der Kauf mann erzeugt Werthe aus vorhandenen Stoffen, meistens durch räumliche Uebertragung, — der Industrielle bringt aus unscheinbaren Keimen unzählige neue Gegenstände hervor durch eigene Schöpferkraft. Und diese seine Stellung im Gewerbeleben, die seinen Character bildet, hat der Industrielle nur selten vergessen; er wird, trotzdem der Krieg nicht durch seine Schuld entbrannt ist, dennoch gern die Hand zu seiner Beilegung bieten und den Frieden mit 'Opfern erkaufen. Allerdings appellirt man ein wenig stark an seinen Jdealisinus! Man nennt ihn den modernen Sklavenhalter und Zwingherrn, seine Fabriken einen Verderb für Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter, sein Jndustriesystem den Ruin für die gedeihliche Entwickelung des Menschenge schlechts! So klagt man ihn an, nicht nur in aufgeregter Volksversammlung, sondern in wissenschaftlichen Schriften und vom Katheder. Und von diesem