34 Weigert. Unser würdiger Wilhelm Borchert juu. hat im Jahre 1868 sein Messingwerk in eine Arbeitsgesellschaft umgewandelt, indem er seinen Ange stellten und Arbeitern gestattete, Antheile daran zu erwerben und dieselben sowohl nach Maßgabe ihrer Einlage, wie der geleisteten Arbeit an dem Pro- ductionsgewinn participiren ließ. Derselbe entsteht, nachdem 5 Procent Leih gebühr, 6 Procent Risikoprümie für das Capital, sowie 3000 Thaler Ge halt an den Besitzer gedeckt worden sind. Die auf die Arbeit entfallende Quote wird Bonus genannt, der dem Capital zukommende Antheil Divi dende; beide sind gleichwerthig. An dem Bonus haben die festen Zeitlöhne höheren Antheil als die Accord- und Stücklöhne. Diese Einrichtung Hai sick 5 Jahre bis Ende 1872 bewährt. Daß eine vergrößerte Leistungsfähigkeit des Etablissements stattgefunden hat, ist zwar nicht behauptet worden; der edle Sinn des Besitzers hat seine kleine Zahl von Arbeitern (circa 70) an dem Gewinn des Geschäfts participiren lassen und war in der Lage, ihnen einen jährlichen Bonus auszahlen zu können; die Einlagen der Beamten und Arbeiter waren am Schlüsse des Jahres 1871 auf 31,325 Thaler heran gewachsen, es participirten daran 4 Beamte und 39 Arbeiter, also ungefähr die Hälfte derselben. Der weitere Erfolg dieses Unternehmens, welches durch die geringe Zahl der Beschäftigten einen Theil der Mißstände der Arbeits gesellschaft vermeidet und durch die Humanität des Besitzers gute Garantien bot, wurde durch die im Jahre 1873 eingetretene Umwandlung desselben in eine Actiengesellschaft unterbrochen. Mit derselben ist die Betheiligung der Arbeiter am Productionsgewinne gefallen und denselben nur eine Capitalbetheiligung unter einigen Modificationen, die durch die Um wandlung in die Actiengesellschaft hervorgerufen worden, gestattet. Der socialistische Bonus hat also aufgehört, und die individualistische Fleißprämie ist eingeführt worden. Borchert sagt in seinem von Engel verfaßten Schreiben an die Arbeiter („Eine Partnerschaft als Actienunternehmen" Arbeiter freund X. Pag. 335 sq.) Folgendes: „Es soll zu dem Normallohn eine P roductionstantiöme hinzutreten und zwar, indem eine gewisse Normal leistung angenommen wird in progressivein Verhältnisse zu der dieselbe über schreitenden wirklichen Leistung. Diese Productionstantimne ersetzt den Bonus, der ja nur die Frucht des Fleißes ist (sein sollte!!); sie wird monatlich von dem Geschäft festgestellt und ausbezahlt. „Zwei Erfahrungen sind es vorzugsweise, die mich zu dieser Verwand lung des Bonus in eine Productionstantieme gedrängt haben. „Die eine Erfahrung, die ich gemacht, ist die, daß ein großer Theil, namentlich der nur kürzere Zeit im Geschäfte verbleibenden Arbeiter die Bonusverthcilung als etwas in so ferner Zukunft Liegendes und Unbestimmtes betrachtet, daß sie ihm kein hinlänglicher Antrieb zur Entfaltung eines Maximums von Fleiß und Sorgfalt während eines ganzen, Jahres ist. Weil ihm die kleine Wochen- oder Monats-Lohnzulage wie der Sperling in der Hand, die größere, am Jahresschluß auf einmal zu Theil werdende Summe des Bonus aber wie die Taube auf dem Dache erscheint, so zieht er in der Regel eine Monatszulage vor und macht davon fein Gehen oder Bleiben in der Fabrik abhängig.