I.  Geschichte  und  Entwicklung  des  Kartellwesens.

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reichte,  die  wirtschaftlich  Schwächeren  unterliegen  mußten,
war  die  Folge  hiervon  eine  gewaltige  wirtschaftliche  Krisis,
die  sich  bis  Ende  der  achtziger  Jahre  erstreckte.  In  dieser
Zeit  ist  jeder  Ansatz  zu  einer  wirtschaftlichen  Besserung  sofort ­
  wieder  erstickt  worden  durch  die  Zügellosigkeit  und  Regellosigkeit ­
  der  Produktion,  die  wie  ein  Fluch  über  der  Industrie ­
  lag 1 ).  „Gehetzt  von  der  freien  Konkurrenz  war  Sie
Produktion  allenthalben  planlos  vorwärts  gestürmt,  bis  sich
vor  ihr  der  Abgrund  einer  beispielslosen  Krisis  eröffnete.
Die  Betriebe,  die  nicht  zerschellten,  suchten  zu  retten,  was
zu  retten  war,  indem  sie  aus  der  Erfahrung  die  Lehre  zogen,
daß  anstelle  der  wilden  Anarchie  eine  gewisse  Organisation
des  Angebotes  und  der  Nachfrage  treten  müsse.  So  entstanden ­
  die  Kartelle  als  wirkliche  Kinder  der  Not“ l  2 ).
Was  versteht  man  nun  unter  einem  Kartell?  Im  gewöhnlichen ­
  Sprachgebrauch  werden  häufig  anstelle  des  Wortes
„Kartell“  die  Bezeichnungen  „Trust“ 3 ),  oder  „Ring'  und

l )  Vgl.  die  Rede  des  Abgeordneten  Hirsch  vom  6.  März  1908  im
Abgeordnetenhaus.
*)  Grunzei,  Über  Kartelle,  p.  23.
Vorher  schon  äußerte  sich  in  ähnlicher  Weise  Kleinwächter,  Die
Kartelle,  p.  143.  Schönlank,  Archiv  für  soziale  Gesetzgebung  und  Statistik, ­
  Bd.  III,  p.  493,  gibt  den  9.  Mai  1873  als  Tag  der  Entstellung
der  Kartelle  an.  „Am  9.  Mai  1873,  als  in  Wien  die  Sterbeglocke  des
wirtschaftlichen  Aufschwunges  gellte,  wurde  die  Oeburtsstunde  der  Kartelle ­
  eingeläutet.“  Diese  Ansicht  ist  wohl  nicht  ganz  richtig,  da  bereits
in  den  40  er  und  60  er  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  vereinzelt
Kartellbildungen  vorkamen,  so  der  Oehängeschmiedeverein  zu  Enneperstraße
  und  Vörde  gegr.  12.  April  1845.  (Vgl.  Denkschrift  über  das
Kartellwesen,  Bd.  11.)  Da  jedoch  im  Jahre  1873  die  Kartellbewegung
von  neuem  einsetzte  und  erst  seitdem  die  Kartelle  zu  einer  allgemeinen
Erscheinung  im  Wirtschaftsleben  geworden  sind,  ist  es  nicht  unrichtig,
das  Jahr  1873  als  das  Entstehungsjahr  der  Kartelle  zu  bezeichnen.
3 )  Unter  Trust  („trustee“)  versteht  man  nach  englischem  Rechte,
dem  dieser  Begriff  entstammt,  eine  Person,  der  die  freie  Verwaltung
und  Verfügung  über  eine  einem  anderen  gehörige  Vermögensmasse
übertragen  ist;  dem  anderen  gebühren  nur  die  Erträgnisse  der  Masse
(beneficiary  oder  cestui  que  trust  genannt).  Diese  Rechtsform  wurde  bei
Gründung  des  ersten  Trusts,  der  Standard  Oil  Company  1881  zu  Grunde
gelegt.  Dieses  Vereinigungssystem  diente  späterhin  als  Vorbild.  Danach ­
  übergeben  die  Aktionäre  der  einzelnen  Gesellschaften,  die  dem
Trust  als  Mitglieder  beitreten,  ihre  Aktien  neun  Vertrauensmännern
(den  trustees)  und  gestehen  ihnen  die  unwiderrufliche  Befugnis  zu,
an  ihrer  Stelle  das  mit  dem  Aktienbesitz  verbundene  Stimmrecht  nach
freiem  Ermessen  auszuüben.  Hierdurch  wird  die  Wahl  der  Direktoren
und  Beamten  der  Einzelgesellschaften  in  die  Hand  der  trustees  gelegt.
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