1.  Geschichte  und  Entwicklung  des  Kartellwesens.

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geworden:  die  Konkurrenz  hat  die  Konkurrenz  getötet,  und
an  Stelle  des  erbitterten  Kampfes  ist  der  Friede  getreten.

Die  Entwicklung  des  Kartellwesens  hat  der  gewaltigen
wirtschaftlichen  Entwicklung  Deutschlands  im  letzten  Viertel
des  verflossenen  Jahrhunderts  ein  ganz  besonderes  Gepräge
verliehen.  Man  kann  sagen  daß  wohl  kaum  eine  Wirtschaftsepoche ­
  in  einem  so  verhältnismäßig  kurzen  Zeitraum  solche
Umwälzungen  erfahren  hat,  wie  sie  der  Kartellgedanke  in
Industrie  und  Handel  mit  sich  brachte.  In  den  siebziger
Jahren  des  letzten  Jahrhunderts  war  der  Begriff  und  die  Existenz ­
  von  Kartellen  noch  ziemlich  unbekannt.  Nur  von  ganz
wenigen  Kartellen  oder  kartellähnlichen  Organisationen  wird
uns  berichtet  und  diese  wenigen  Verbände  machten  sich
im  Wirtschaftsleben  in  kaum  einer  Weise  bemerkbar,  so  daß
man  von  ihrer  Existenz  wenig  oder  gar  nichts  wußte.  In
den  nächsten  Jahrzehnten  wuchs  die  Zahl  der  Kartelle  zusehends. ­
  Es  waren  in  Deutschland  vorhanden 1 )

im  Jahre  1882
„  1888
„  1889
„  1890
„  1896
1903

70  Kartelle
7B  „
106  „
117  „
250  „
385

Aus  diesen  kleinsten  Anfängen  heraus  entwickelte  sich
jene  Erscheinung,  die  wir  unter  den  Begriff  Kartell  mit

seinen  vielen  Abarten  zusammenfassen.  Innerhalb  zweier
Jahrzehnte  entwickelten  sich  die  Kartelle  zu  den  bedeutendsten ­
  Faktoren  unserer  modernen  Volkswirtschaft.  Einzelne
dieser  wirtschaftlichen  Organisationen  erlangten  wegen  der
Höhe  des  durch  sie  vertretenen  Kapitals  und  des  gewaltigen
Einflusses  auf  die  wirtschaftliche  Lage  der  jeweiligen  Industrie ­
  eine  solche  Bedeutung,  daß  die  Erneuerungsverhandlungen ­
  ihrer  Kartellverträge  von  der  gesamten  Weltpresse ­
  verfolgt  zu  werden  pflegen.

Eine  bedeutsame  Wandlung  hinsichtlich  der  organisatorischen ­
  und  kaufmännischen  Wirksamkeit  hat  sich  in  den
letzten  Jahren  insbesondere  in  der  Montanindustrie  und  der
sogenannten  schweren  Industrie  (Hütten-,  Stahl-  und  Walzwerke) ­
  vollzogen.  Hatten  diese  Industrien  früher  geglaubt,

*)  Nach  Angabe  von  Philippovich,  Bd.  I,  p.  205.