I.  Geschichte  und  Entwicklung  des  Kartellwesens.

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dustrie  schwer  belastete 1 ).  England  hatte  ein  Jahrhundert
hindurch  auf  dem  Gebiete  der  Eisenindustrie  die  Führung.  Alle
großen  und  wichtigen  Erfindungen  kamen  aus  England.  Hier
wurden  die  ersten  Dampfmaschinen,  Lokomotiven  und  Eisenbahnen ­
  gebaut.  In  England  wurde  zuerst  beim  Hochofenprozeß ­
  die  teure  Holzkohle  durch  Steinkohle  bzw.  Koks  ersetzt ­
  ;  das  primitive  Frischverfahren  durch  das  Puddelverfahren
  beseitigt;  anstelle  der  langwierigen  und  zeitraubenden ­
  Hammerarbeit  die  Walzenstraßen  eingeführt.  Vor  allem
war  es  aber  die  Erfindung  Henry  Bessemers  im  Jahre  1856,
welche  der  englischen  Industrie  gewaltigen  Vorsprung  gab.
Infolge  der  besseren  Technik  konnte  England  seine  Waren
zu  Preisen  auf  den  Markt  werfen,  welche  für  Deutschland
trotz  niedriger  Löhne  und  langer  Arbeitszeit  nicht  möglich
waren.
Einige  drastische  Beispiele  mögen  hier  als  Beweis  dienen,
wie  notwendig  ein  Zusammenschluß  gewesen  ist,  nicht  allein
um  die  Werke  wieder  verdienen  zu  lassen,  sondern  auch
um  den  umfangreichen  Arbeiterentlassungen  und  Lohnherabsetzungen ­
  zu  steuern.  Die  Hütte  Phönix  mußte  infolge  großer
Verluste  schon  zu  Anfang  der  sechziger  Jahre  ihr  Aktienkapital ­
  von  18  Millionen  Mark  auf  einmal  auf  1  800  000  M.
herabsetzen,  um  aus  der  Finanzkalamität  herauszukommen
und  durch  Ausgabe  neuer  Aktien  neue  Geldmittel  beschaffen
zu  können.  Das  Rheinische  Stahlwerk  sah  sich  gezwungen,
sein  Aktienkapital  von  4  Millionen  auf  400  000  M.  herabzusetzen. ­
  Am  schlimmsten  aber  erging  es  der  Union  zu  Dortmund. ­
  Die  Aktionäre  dieses  Werkes  haben  durch  Herabsetzung ­
  der  Aktienkapitalien  nach  und  nach  bis  jetzt  73  Millionen ­
  Mark  verloren;  wobei  das  Werk  mit  33Millionen  Mark
gegründet  wurde.  Die  ursprünglichen  Aktien  sind  auf  5
Prozent  ihres  Anfangswertes  gesunken.  Um  neue  flüssige
Geldmittel  zu  erhalten,  wurden  die  alten  Aktien  in  ihrem
Nominalwerte  erheblich  herabgesetzt  und  dann  noch  neue
x )  Als  1860  Napoleon  111,  durch  seinen  Handelsvertrag  mit  England
den  Grund  zu  einer  allgemeinen  freihändlerischen  Handelspolitik  in
Europa  legte,  schloß  sich  auch  Preußen  an  das  westeuropäische  Freihandelsgebiet ­
  an  und  ging  1862  unter  Führung  Delbrücks  einen  Handelsvertrag ­
  ein,  dem  sich  die  Staaten  des  Zollvereins  bald  anschlossen.  Im
Jahre  1877  erreichte  der  Freihandel  unter  dem  Ministerium  Bismarck
durch  Fortfall  der  Eisenzölle  seinen  Höhepunkt.