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1.  Geschichte  und  Entwicklung  des  Kartellwesens.

Aktien  ausgegeben,  wovon  die  nachfolgenden  mehr  Rechte
erhielten  als  die  vorhergehenden.  Trotz  der  Aktienherabsetzungen ­
  aber  war  die  Dividende  stets  eine  geringe.  Von  diesem ­
  schlechten  Gang  des  Werkes  wurde  aber  vor  allem  auch
die  Arbeiterschaft  außerordentlich  hart  betroffen.  Die  Zahl
der  Arbeiter  sank  von  12  000  auf  6000,  die  Löhne  gingen  im
Jahre  1877  von  1400  auf  794  M.  pro  Kopf  und  Jahr  zurück!
Der  Hoerder  Bergwerks-  und  Hüttenverein  setzte  im  Jahre
1877  sein  Aktienkapital  von  14  800  000  auf  7  350  000  M.  herab;
Dividende  verteilte  das  Werk  in  50  Jahren  seines  Bestehens
in  17  Jahren  nicht.  Auch  das  Hüttenwerk  Rote  Erde  hatte
schwere  Verluste  zu  verzeichnen.  Die  Arbeiterzahl  ging  auch
hier  auf  die  Hälfte  zurück,  während  die  Löhne  auf  754  M.
sanken.  Die  Ilseder  Hütte,  heute  ein  gut  prosperierendes
Eisenwerk,  welches  in  den  letzten  15  Jahren  40  bis  70  Prozent
Dividende  verteilte,  ging  in  seinen  Anfängen  zugrunde;  der
Gründer  Horstmann  verlor  sein  ganzes  Vermögen  und  nahm
sich  das  Leben.
Auch  die  Konkurrenz  des  Auslandes  übte  einen  starken
Druck  aus  auf  die  Preisgestaltung  der  deutschen  Eisenindustrie. ­
  So  kostete  im  Jahre  1852  eine  Tonne  Roheisen  in
Belgien  56,40  M.,  dagegen  war  eine  Tonne  Siegerländer
Roheisen  nicht  unter  90  M.  auf  den  Markt  zu  bringen.  Noch
schlimmer  wirkte  die  Schleuderkonkurrenz  auf  die  Walzfabrikate. ­
  Im  Jahre  1872  kostete  die  Tonne  Stabeisen  ab
Dortmunder  Union  360  M.,  Eisenbahnschienen  324  M.  und
Bleche  480  M.  Im  Jahre  1879  waren  die  Preise  auf  126  M.
gesunken.  Es  gab  Fälle,  wo  das  Roheisen  6  M.  und  mehr
pro  Tonne  unter  Selbstkostenpreis  verkauft  wurde,  nur
um  Vorräte  zu  räumen  und  Gelder  flüssig  zu  machen.  Unter
diesen  Verhältnissen  litt  natürlich  auch  die  Arbeiterschaft
außerordentlich.  Die  Löhne  waren,  wie  auch  die  später  aufgeführten ­
  Lohntabellen  nachweisen,  niemals  so  niedrig,  wie
in  jenen  Zeiten  der  Krise  mit  ihrer  ungeregelten  Produktion.
Diese  unsinnige  Schleuderkonkurrenz  mußte  auf  die  Dauer
zum  Zusammenschluß  und  zu  Preiskonventionen  führen;  sie
sind  als  Mittel  der  Selbsterhaltung  eine  eiserne  Notwendigkeit ­
  geworden.  Aber  dieser  Zusammenschluß  vollzog  sich
unter  großen  Schwierigkeiten,  denn  es  galt  die  sich  gegenseitig ­
  widerstrebenden  Interessen  auszugleichen.  Was  dem