II.  Allgemeine  sozialpolitische  Bedeutung  der  Kartelle.

39

teilung  des  Hirsch-Dunker’schen  Arbeitersekretärs  Erke-,
lenz 1 )  ist  in  Mannheim:  nicht  widersprochen  worden,  als  er
ausführte:  „Herr  Geheimrat  Kirdorf  hat  gesagt,  das  Kartell ­
  übe  gar  keinen  Einfluß  auf  die  Arbeiterverhältnisse  aus.
Dieses  Lied  ist  ganz  besonders  in  der  Enquetekommission
bei  den  Verhandlungen  über  den  Stahlwerksverband  von
einer  ganzen  Reihe  von  Rednern  gesungen  worden.  Ich
möchte  demgegenüber  ganz  besonders  hinsichtlich  des  Kohlensyndikates ­
  nur  auf  die  Situation  beim  Eintritt  der  letzten
Krise  (1Q02  U.)  hinweisen,  wo  plötzlich  kurz  nach  einer
Besprechung  des  Syndikats  ziemlich  einheitlich  in  wenigen
Wochen  die  Löhne  im  ganzen  rheinisch-westfälischen  Bergbau ­
  reduziert  worden  sind.  Ich  will  allerdings  zugeben,  daß
ein  solcher  Beschluß  nicht  in  einer  Zechenbesitzerversammlung ­
  formell  gefaßt  worden  ist.  Aber  ich  glaube  die  verhältnismäßig ­
  wenigen  Personen,  die  bei  solcher  Gelegenheit
Zusammenkommen,  haben  es  sehr  leicht,  sich  über  solche
fragen  zu  verständigen.“
Aus  diesen  Ausführungen  geht  wohl  zur  Genüge  hervor,
daß  die  direkte  Einwirkung  eines  Kartells  auf  Arbeiterverhältnisse ­
  nicht  allein  zu  den  Möglichkeiten  gehört,  sondern
sich  sogar  wahrscheinlich  ereignet  hat.
Von  viel  größerer  Bedeutung  als  diese  direkten  Einflüsse ­
  sind  die  Wirkungen  der  Kartelle  auf  die  Arbeiter,  die
sich  auf  Grund  der  eigenen  Kartelltätigkeit  ergeben,  als  z.  B.
Lohnsteigerungen  auf  Grund  einer  durch  die  Kartelle  erfolgten ­
  verbesserten  wirtschaftlichen  Lage  einer  Industrie,  oder
aber  auch  Einwirkungen  der  Kartelle  auf  Arbeiterorganisationen ­
  und  umgekehrt,  sowie  derlei  Fragen  mehr,  wie  sie
im  Laufe  dieser  Darlegungen  noch  erörtert  werden.  Es
ist  da  nun  recht  merkwürdig,  wenn  die  industriellen  Interessenkreise ­
  auch  solche  Einflüsse  bestreiten.  Es  ist  dies
umso  auffälliger,  als  alle  Volkswirte,  die  diese  Frage  überhaupt ­
  anschneiden,  ohne  Ausnahme  Einflüsse,  engere  und
weiterreichende,  größere  und  geringere,  feststellen,  selbstredend ­
  nicht  nur  ungünstige,  sondern  auch  günstige  Einwirkungen ­
  konstatieren.  Vor  allem  aber  ist  von  hervorragender
Bedeutung  die  allerdings  noch  auf  wenige  Beispiele  zurück-]
 )  Verhandlungen  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  Bd.  116,  p.  411,