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III.  Kartell  und  Konjunktur.

bieten 1 ).  Konjunktur  ist  die  Gesamtheit  der  Bedingungen*
die  in  unsrer  Volks-  bezw.  Weltwirtschaft  eine  Wertveränderung ­
  der  Güter  hervorrufen,  unabhängig  von  dem  Willen,
von  den  Leistungen  und  von  dem  Aufwand  der  Eigentümer.
Die  Schwankungen  der  Konjunkturen  sind  für  die  moderne
Großindustrie  eine  der  verhängnisvollsten  Erscheinungen*
welche  einerseits  Krisen,  Absatzstörungen,  große  Verluste,
vor  allem  aber  auch  Arbeitslosigkeit  und  Elend  der  Arbeiterklassen ­
  im  Gefolge  haben,  andererseits  aber  auch  zu  Zeiten
der  Hochkonjunktur,  wenn  das  wirtschaftliche  Leben  auf
dem  Höhepunkt  angestrengtester  Tätigkeit  steht,  den  Unternehmern ­
  großen  Gewinn  und  den  Arbeitern  mehr  Beschäftigung ­
  und  höhere  Löhne  bringen,  als  sie  sonst  bei  mittlerem ­
  Geschäftsgänge  erhalten.  Uns  interessiert  hier  vor
allem  die  Krisis,  weil  sie  von  viel  größerer  Bedeutung  ist
als  ihr  Gegenteil,  die  Hochkonjunktur.  Es  ist  weit  weniger
von  Bedeutung,  einen  höheren  Gewinn  oder  Lohn  zu  beziehen ­
  als  gar  keinen  Gewinn  oder  gar  keinen  Lohn  zu  bekommen ­
  und  damit  bei  den  Kapitalisten  Zusammenbruch
der  Unternehmungen  und  Bankerott,  bei  den  Arbeitern  aber
Arbeitslosigkeit,  Hunger  und  Elend.
Was  versteht  man  nun  unter  einer  Wirtschaftskrisis  ?
Man  ist  sich  darüber  nicht  einig  und  es  besteht  nicht  einmal
eine  sogenannte  „herrschende  Meinung“ *  2 ).  Eine  Wirtschaftsoder ­
  Handelskrisis  tritt  ein,  wenn  in  ganzen  Zweigen  der
Produktion  die  Unmöglichkeit  besteht,  Waren  oder  sonstige
Produktionsleistungen  zu  dem  zu  erwartenden  Preis  zu  verkaufen ­
  und  daher  Einstellung  oder  doch  Einschränkung  der
betreffenden  Produktion  erfolgen  muß,  wenn  also  für  die
Produzenten  eine  Gefährdung  der  Existenz  entsteht,  und
zwar  als  Massenerscheinung 3 ).
!)  Biermer,  Die  letzte  deutsche  Wirtschaftskrisis  und  ihre  Ursachen, ­
  p.  9.
2 )  Krisentheorien  sind  von  einigen  Nationalökononien  aufgestelit
worden  u.  a.  von  Arthur  Spiethoff,  Werner  Sombart,  von  dem  Russen
von  Tugan-Baranowski,  ferner  von  Schäffle,  Juglar,  Pohle  und  andere,,
aber  wie  keine  Krise  der  anderen  vollkommen  gleicht,  sondern  jede
ihre  Besonderheiten  aufweist,  so  schreiben  auch  die  Krisentheoretiker
die  Entstehungsursachen  der  Krisen  verschiedensten  Momenten  des
Wirtschaftslebens  zu.
3 )  Vgl.  Sombart  im  Archiv  für  Sozialwissenschaft  und  Statistik ­
  1904.