III.  Kartell  und  Konjunktur.

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Mit  Depression  bezeichnet  man  eine  Abschwächung  der
Konjunktur  zu  Zeiten  einer  gut  gehenden  Wirtschaftsperiode;
sie  ist  also  nicht  eine  Übergangszeit  zwischen  Hochkonjunktur ­
  und  Krisis,  wohl  kann  sie  es  aber  sein.  Solche  Depressionszustände ­
  oder  weniger  gut  Übergangskrisen  genannt,
sind  Störungen  des  wirtschaftlichen  Lebens,  die  nicht  immer
eine  Hausseperiode  abzulösen  brauchen,  sondern  mitunter
den  normalen  Verlauf  des  wirtschaftlichen  Lebensprozesses
nur  in  Unordnung  bringen,  mit  Umwälzungen  verbunden  sind
und  zuweilen  langwierige  Übergangsperioden  zeitigen,  deren
Veränderungen  vielleicht  endgültige  werden.
Ich  sehe  von  allen  weiteren  Definitionen  ab  und  zitiere ­
  einen  Verteidiger  der  spekulativen  Ausnutzung  der
Konjunktur,  Cohn,  und  einen  naturgemäßen  Feind  der  Konjunktur ­
  und  Spekulation,  Lassalle.  Cohn 1 )  sagte:  „Die  Spekulation ­
  ist  der  Kampf  der  mit  den  wißbaren  Umständen
ausgerüsteten  Intelligenz  gegen  die  rohe  Naturmacht  des
Zufalls.“  Es  sagt  dies  als  Erwiderung  auf  Lassalles  Ausspruch, ­
  der  die  Spekulation  als  das  „übernatürliche,  metaphysische ­
  Raten  auf  die  Wirkungen“  bezeichnet,  welche  unwißbare
  Umstände  hervorbringen.  Die  Konjunktur  nennt
Lassalle,  „das  Band  der  gesellschaftlichen  Zusammenhänge,
welches  alle  existierenden  unwißbaren  Umstände  miteinander
verbindet“.  Lassalle *  2 )  führt  des  näheren  hierüber  aus:  „Wenn
gesellschaftliche  Einrichtungen  existieren  (das  ganze  volkswirtschaftliche ­
  System),  welche  diese  Solidarität  nicht  anerkennen ­
  und  regeln,  so  existiert  diese  Solidarität  nichtsdestoweniger ­
  fort;  aber  sie  kommt  nun  als  eine  ihre  Verkennung ­
  rächende  rohe  Naturwelt,  als  ein  Schicksal  zum  Vorschein, ­
  welches  Ball  spielt  mit  der  vermeintlichen  Freiheit  des
auf  sich  selbst  angewiesenen  Einzelnen.  Der  Eine  wird  hoch
aufgeschnellt  in  diesem  Spiel,  das  unbekannte  und  um,  so  mehr
unbeherrschte  Mächte  mit  ihm,  treiben,  hoch  hinauf  in  den
Schoß  des  Reichtums  —  hundert  andere  werden  tief  hinabgestürzt ­
  in  den  Abgrund  der  Armut,  und  das  Rad  der  gesellschaftlichen ­
  Zusammenhänge  geht  umprägend  und  zerquetschend ­
  über  sie  und  ihre  Handlungen,  über  ihren  Fleiß  und
ihre  Arbeit  hinweg.  Der  Zufall  spielt  Ball  und  die  Menschen
sind  es,  die  in  diesem  Spiel  als  Bälle  dienen.“

*)  Cohn,  System  der  Nationalökonomie.
2 )  Lassalle,  „Kapital  und  Arbeit“,  p.  40  ff.