111.  Kartell  und  Konjunktur.

09

ob  es  dem  Niedergange  gegenüber  ohnmächtig  war,  verneinen ­
  ...  In  früheren  Zeiten  ist  der  Rückgang  nicht  nur
viel  schärfer  und  tiefergehend  gewesen,  es  hat  auch  Jahre
bedurft,  bis  sich  die  Zechen  wieder  erholt  hatten.“  Und
dann  an  anderer  Stelle,  daß  das  Kohlensyndikat  „namentlich
aber  dem  Niedergang  einen  heilsamen  Riegel  nicht  nur  für
die  Interessen  seiner  Mitglieder,  sondern  auch  für  die  Allgemeinheit, ­
  welche  in  letzter  Linie  auch  an  dem,  festen  Gefüge
des  Kohlensyndikates  einen  Rückhalt  suchte  und  fand,  vorgeschoben ­
  hat“.  Den  Ausführungen  Zöllner’s  gegenüber
nimmt  sich  allerdings  etwas  eigentümlich  die  Bemerkung
Götzke’s  aus,  daß  „wenn  die  Eisenindustrie  auch  solche
starken  Stützen  in  sich  selbst  gehabt  hätte,  sie  sich  auch  ein
gut  Teil  ihrer  Verluste  erspart  haben  würde“.
Auch  Tschierschky 1 )  scheint  in  Berücksichtigung  dieser
Fragen  in  Übereinstimmung  mit  Liefmann *  2 )  mehr  auf  Seiten
des  Kohlensyndikates  zu  stehen.  Tschierschky  ist  der  Meinung, ­
  daß  das  einzige  Syndikat,  das  die  Hausse-Bewegung
(1905/07  U.)  nicht  im  vollen  Zuge  mitgemacht  hat,  sondern
all  die  Jahre  hindurch  trotz  aller  Klagen  auf  seiner  sehr
vorsichtigen  Produktionspolitik  beharrte,  das  Rheinisch-Westfälische ­
  Kohlensyndikat  sei  und  ist  der  Ansicht,  „daß  wir  es
wiederum  —  wie  1900  —  vor  allem,  diesem  Syndikate  zu
danken  haben,  wenn  die  heutige  Depression  (1908  U.)  sich
nicht  zu  einer  schweren  Überproduktion  in  der  Eisenindustrie ­
  auswachsen  konnte“.
Wenn  Tschierschky  an  derselben  Stelle  darauf  hinweist,
daß  „dem  Kohlensyndikat  die  Zügel  aus  der  Hand  geglitten
mit  dem,  Aufkommen  der  gemischten  Eisenbetriebe“,  so  ist
mit  Recht  zu  betonen,  daß  die  Syndikatsleitungen  in  ihrer
Produktions-  und  Preispolitik  nicht  immer  so  verfahren
können,  wie  sie  gerne  möchten.  Das  Rh.  Westf.  Kohlensyndikat ­
  ist  mehrfach  von  einzelnen  seiner  eigenen  Mitglieder
wegen  seiner  maßvollen  Preispolitik  angegriffen  worden.
Diese  warfen  ihm  vor,  daß  es  günstige  Konjunkturen  nicht
richtig  auszunützen  wüßte;  auch  ernte  es  trotz  seiner  Politik
nur  Undank 3 ).  Recht  bezeichnend  hierfür  ist  auch  eine  Be] ­
 )  Tschierschky,  Kartell-Rundschau  1908  in  seiner  Anm.  auf  p.  7.
2 )  Liefmann,  Kartelle  und  Trusts,  p.  79.
8 )  Vgl.  die  bei  Goetzke,  p.  80  ff.  zusammengestellten  Auszüge
aus  den  Geschäftsberichten  einzelner  Bergwerksgesellschaften.