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III.  Kartell  und  Konjunktur.

merkung  Zöllners 1 ),  daß  die  Leitung  des  Stahlwerksverbandes ­
  bei  der  „von  ihr  befolgten  zurückhaltenden  Preispolitik ­
  mitunter  den  hartnäckigsten  Widerstand  im,  eigenen
Lager  zu  überwinden  gehabt  het.  Es  wurde  ihr  oft  recht
schwer  gemacht,  dem,  Drängen  verschiedener  Mitglieder
standzuhalten,  welche  die  augenblickliche  Hausse  mit  der  wirtschaftlichen ­
  Übermacht  und  der  monopolartigen  Stellung  des
Verbandes  in  stärkerem  Maße  zu  einer  Steigerung  der  Preise
ausgenutzt  sehen  wollten“.  (" *  2  Es  ist  eben,  wie  Liefmann
sagt,  „das  Verständnis  dafür,  daß  es  auch  für  die  Industrie
selbst  wie  für  die  ganze  Volkswirtschaft  vorteilhafter  ist,
eine  größere  Gleichmäßigkeit  in  den  Preisen  herbeizuführen,
als  die  Phantasiepreise  eines  kurzen  Haussetaumels  voll  auszukosten, ­
  noch  nicht  überall  vorhanden“.
Es  ist  charakteristisch,  daß  Kartellmitglieder  gegenüber
der  Kartelleitung  höhere  Preise  als  diese  durchsetzen  wollten.
Sollte  ihnen  das  gelingen,  so  wird  dadurch  ein  wesentlicher
Vorzug,  den  die  Kartellierung  der  Industrie  haben  soll,  illusorisch. ­
  Die  leitenden  Männer  der  Kartelle  übersehen  gleichsam ­
  aus  der  Vogelperspektive  ihre  gesamte  Branche.  Sie
haben  dadurch  auch  die  Möglichkeit,  den  Konsum  besser  zu
schätzen,  als  es  der  einzelne  Fabrikant  kann  und  bis  zu
einem  gewissen  Grad  ist  es  damit  in  ihre  Hand  gegeben,  sowohl ­
  Überproduktionen  vorzubeugen  als  auch  zu  verhindern,
daß  durch  allzu  schnelle  Preissteigerung  die  Konsumkraft  unvermittelt ­
  geschwächt  werde.  Dieser  volkswirtschaftliche
Vorteil  muß  aber  vernichtet  werden,  wenn  die  Mitglieder
ihre  Spezialwünsche  gegenüber  der  Leitung  durchzusetzen
vermögen.  Denn  dann  gewinnt  innerhalb  der  Organisation
wieder  der  Unverstand  die  Oberhand.  Hier  zeigt  sich  eben
eine  große  Schwäche  der  Kartellierung.  Der  Vorstand  eines
Kartells  ist  während  der  Dauer  des  Kartellvertrages  relativ
selbstherrlich.  Aber  er  muß  immer  wieder  daran  denken,
daß  der  Vertrag  auch  wieder  einmal  abläuft,  und  sobald  die
Erneuerungskämpfe  einsetzen,  müssen  die  Kartelleiter  Sorge
tragen,  ihre  Gefolgschaft  nicht  zu  verlieren  und  damit  den
3 )  Zöllner,  Eisenindustrie  und  Stahlwerksverband.  Darauf  hat  auch
Geheimrat  Kirdorf  in  seinen  Ausführungen  vor  der  Kartellkommission
hingewiesen;  ebenso  Brentano  in  den  Süddeutschen  Monatsheften,  April
1904,  p.  266.
2 )  Liefmann,  Kartelle  und  Trusts,  p.  79,