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III.  Kartell  und  Konjunktur.

schränkung  eintreten  lassen.  An  diese  Praxis  der  Amerikaner, ­
  ihre  Arbeiter  ohne  weiteres  zu  entlassen,  haben  sich
die  dortigen  Arbeiter  vollständig  gewöhnt  und  halten  es  für
selbstverständlich,  daß  sie  entlassen  werden,  sobald  sie  auch
nur  für  kurze  Zeit  entbehrt  werden  können.  Die  Erfahrung
hat  aber  gelehrt,  daß  sie  dafür  auch  günstige  Konjunkturen
durch  Forderung  von  Lohnerhöhungen  weit  mehr  ausnutzen
als  bei  uns 1 ).
Wenn  nun  aber  Julius  Wolf *  2  3 )  einwendet,  daß  sich  jede
Überproduktion  schließlich  als  Produktion  durchsetze,  die
Arbeiter  also  von  den  Kartellen,  die  die  Produktion  auf  einen
bestimmten  Punkt  festnageln  wollen,  weniger  zu  erwarten
haben,  als  von  der  unkarteliierten  Produktion,  will  GrunzeP)
dieses  nicht  als  berechtigt  anerkennen.  Der  Verlauf  der
unkartelüerten  Produktion  möge  wohl  der  sein,  daß  sie
heute  100,  morgen  120,  übermorgen  10,  später  130,  dann
120  usw.  Arbeiter  beschäftige,  innerhalb  der  Schwankungen
also  wachse,  aber  kein  Kartell  werde  je  imstande  sein  „die
Produktion  auf  einen  bestimmten  Punkt  festzunageln“,  es
werde  die  Schwankungen  vermeiden,  was  nur  zum  Wohle
der  Arbeiter  ausschlagen  könne,  nicht  aber  das  natürliche
Wachstum  der  Produktion  an  und  für  sich  unterbinden 4 ).
Ja  Brentano 5  6  * )  und  Grunzei 8 )  behaupten  sogar,  daß  eine
durch  Kartelle  erzielte  größere  Kontinuität  der  Arbeiterbeschäftigung, ­
  welche  freilich  in  Zeiten  außergewöhnlichen
Niederganges  eine  gewisse  natürliche  Grenze  hat,  dazu  beiJ ­
 )  Vgl.  bei  Liefmann  Kartelle  und  Trusts,  p.  44,  54,  55,  70.
2 )  J.  Wolf,  In  den  Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  Bd,  LXI,
p.  216.
3 )  Grunzei,  Über  Kartelle,  p.  138.
Grunzei  steht  überhaupt  den  Kartellen  in  dieser  Hinsicht  günstig
gegenüber,  so  auch  in  seinem  neuesten  Werk:  Industriepolitik,  p.  65:
„Für  die  Arbeiter  schließlich  bringt  die  Ordnung  der  Produktion  eine
größere  Kontinuität  und  Sicherheit  in  der  Beschäftigung  .  .  .“
*)  Es  wird  aber  sogar  behauptet,  daß  die  Kartelle  bzw.  deren
Mitglieder  ihre  Leistungsfähigkeit  zu  sehr  steigern.  Sehr  scharf  angegriffen ­
  werden  aus  diesem  Grunde  das  Rheinisch-Westfälische  Kohlensyndikat ­
  und  der  Stahlwerksverband  in  einem  Aufsatze  von  J.  Mendel,
Die  produktionsregelnde  Tätigkeit  der  Syndikate,  in  der  Zeitschrift
.„Die  Bank“,  Heft  11.  1908.
6 )  Brentano,  Mitteilungen  der  Gesellschaft  österreichischer  Volkswirte, ­
  Bd.  I,  p.  89.
6 )  Grunzei,  Ober  Kartelle,  p.  140.