III.  Kartell  und  Konjunktur.

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trage,  eine  ständige  Arbeiterschaft  zu  erziehen  und  damit
der  Bildung  einer  industriellen  Reservearmee,  d.  i.  einer  Ansammlung ­
  zeitweise  beschäftigungsloser  Arbeiter  einer  Betriebsart, ­
  entgegenzuwirken,  zum  wenigsten  dann,  wenn  die
wirtschaftlichen  Erschütterungen,  welche  der  Kartellierung
voranzugehen  pflegen,  überwunden  sind.  Erhoffen  doch  einzelne, ­
  wie  Brentano,  Liefmann 1 )  u.  a.  von  den  Kartellen  sogar
eine  Lösung  der  Frage  der  Arbeitslosenversicherung  dadurch,
daß  in  günstigen  Zeiten  Fonds  zur  Unterstützung  Arbeitsloser ­
  bei  Produktionseinschränkungen  angesammelt  werden.
Der  Staat  hätte  die  Formen  hierfür  auszuarbeiten  und  eventuell ­
  die  Anerkennung  des  Kartells  von  der  Übernahme  einer
derartigen  Verpflichtung  abhängig  zu  machen.  Brentano  erklärt, ­
  daß  wenn  die  englischen  Gewerkvereine  die  Wirksamkeit ­
  der  Arbeiterversicherung  dadurch  garantieren,  daß  sie
auch  dem  Beschäftigungslosen  die  Mittel  zur  Weiterzahlung
der  Prämien  schaffen,  so  bewirke  das  Kartell  das  Gleiche,
indem  es  verhindere,  daß  der  Arbeiter  überhaupt  beschäftigungslos ­
  werde.  „Denn  der  Zweck  des  Kartells  ist  ja  die  ausgiebige ­
  und  stetige  Beschäftigung  der  zu  ihm  gehörigen
Werke.  Wird  der  Zweck  erreicht,  so  ist  das  Kartell  auch  der
Notwendigkeit  enthoben,  Arbeiter  wegen  Mangels  an  Aufträgen ­
  entlassen  zu  müssen.  Kleine  Schwankungen  im  Betriebe ­
  werden  durch  Kürzung  oder  Ausdehnung  der  Arbeitszeit ­
  ausgeglichen.  Jedes  Werk  erlangt  somit  eine  stetige
Arbeiterschaft.  Eine  Krisis  droht  nicht  mehr  länger  die
Arbeiterversicherung  unwirksam  oder  ungenügend  zu
machen.  Nun  erst  wird  eine  Altersversicherung,  die  mehr  als
eine  bloße  Armenunterstützung  ausmacht,  überhaupt  möglich. ­
  Das  Kartell  erscheint  somit  als  eine  wesentliche  Ergänzung ­
  der  begonnenen  Neuorganisation  der  Arbeiterverhältnisse." ­
  Auch  Grunzei *  2 )  führt  aus,  daß  die  Kartelle  das  Problem ­
  der  Arbeitslosenversicherung  einer  befriedigenden  Lösung ­
  zuführen  können,  „denn  sie  vermeiden  vor  allem  die
Arbeitslosigkeit  und  können  schließlich  dazu  verhalten  werden, ­
  bei  Reduktionen  in  allen  Betrieben,  bei  Sperrung  von
unrentablen  Fabriken  und  auch  sonst  in  kritischen  Zeiten  für
die  beschäftigungslos  gewordenen  Arbeiter  vorzusorgen,  weil

] )  Liefmann,  Die  Unternehmerverbände,  p.  182
2 )  Grunzei,  Über  Kartelle,  p.  142.