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III.  Kartell  und  Konjunktur.

die  Opfer  zu  diesem  Zwecke  von  der  Allgemeinheit  der  Produzenten ­
  gebracht  werden  und  daher  leichter  zu  tragen  sind“.
Allerdings  sieht  sich  Pohle 1 )  veranlaßt,  die  „übertriebenen
Hoffnungen“,  welche  Brentano  an  die  Kartelle  knüpfe,  auf  ihr
„berechtigtes  Maß“  zurückzuführen.  Denn  was  Brentano  von
den  Kartellen  erwarte,  sei  nur  cum  grano  salis  zu  verstehen,
und  habe  nur  für  einen  Teil  der  Arbeiter  Gültigkeit.  Außerhalb ­
  der  Kartelle  würde  beständig  eine  große  Schar  Arbeitsloser ­
  verbleiben,  die  einen  dauernden  Druck  auf  die  Löhne  des
„numerus  clausus“  der  innerhalb  derselben  beschäftigten  Arbeiter ­
  ausüben  würde.
Wenn  nun  aber  Conrad *  2 )  darauf  hinweist,  daß  es  besonders ­
  wichtig  sei,  die  Folgen  der  Krisen  von  der  Arbeiterklasse ­
  abzulenken,  denn  es  bleibe  eine  übermäßige  Härte  und
Ungerechtigkeit,  daß  der  Fabrikant,  der  aus  den  hohen
Preisen  mit  Hilfe  einer  großen  Zahl  von  ihm,  aus  anderen
Tätigkeiten  herangezogenen  Arbeitern,  Gewinn  bezogen
habe,  sich  durch  Einschränkung  seiner  Tätigkeit  und  entsprechende ­
  Entlassung  von  Arbeitern,  die  damit  der  Not  verfallen, ­
  vor  Verlusten  schütze,  so  können  gerade  hier  Kartelle ­
  von  segensreicher  Wirksamkeit  sein,  indem,  die  Arbeitszeit ­
  in  der  gesamten  kartellierten  Industrie  nur  verkürzt
wird,  Entlassungen  dagegen  nicht  vorgenomm,en  werden  oder
wenigstens  nur  in  beschränktem  Maße 3 ).
Der  Arbeiterschaft  wird  also  durch  die  Politik  der  Kartelle: ­
  Regulierung  des  Angebotes  und  Verteilung  der  Produktion, ­
  in  höherem  Maße,  als  es  bei  freier  Konkurrenz  der
Fall  ist,  die  Gewähr  geboten,  daß  sie  einigermaßen  dauernd
und  gleichmäßig  beschäftigt  wird.  Die  Arbeiter  brauchen
weniger  als  bisher  zu  fürchten,  eines  Tages  aufs  Pflaster
geworfen  zu  werden,  weil  der  Unternehmer  keine  Aufträge
mehr  hat.  Und  diese  Vorteile  brauchen  sie  auch'  nicht  erst
ihren  Brotgebern  durch  Kampf  oder  Druck  abzuringen,  soni)

  Pohle,  Die  Kartelle,  p.  116.
»)  Conrad  I,  1905,  p.  269.
3 )  Aber  auch  wenn  die  Werke  Arbeiterentlassungen  genau  in  dem
Maße  vornehmen,  als  ihnen  an  einem  festen  Arbeiterstamm  gelegen  sein
muß,  können  die  Kartelle  nützen;  denn  wenn  sie  wirklich  krisenmildernd
wirken,  wird  die  Differenz  zwischen  der  Zahl  der  den  festen  Stamm
bildenden  Arbeiter  und  den  bei  flotter  Beschäftigung  neu  eingestellten
Arbeiter  kleiner  werden.