III.  Kartell  und  Konjunktur.

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die  Exportpolitik  eines  Kartells  einen  regulierenden  Einfluß
auf  die  Produktion  ausüben  und  zwar  vornehmlich  bei  Industrien ­
  die  nicht  hauptsächlich  auf  den  Export  angewiesen  sind,
sondern  ihn  nur  nebenbei  betreiben.  Bei  ungünstigen  Konjunkturen ­
  kann  ein  solches  Kartell  den  Bedarf  des  einheimischen ­
  Marktes  in  normaler  Weise  befriedigen,  während  es
den  Export  forciert  oder  im  anderen  Falle  bei  starkem
Bedürfnis  im  Inlande  den  ausländischen  Markt  vernachlässigt ­
 1 ).  Auf  diese  Weise  kann  die  Produktion  in  stetigen
Bahnen  gehalten  und  der  Segen,  den  die  Produktionsregulierung ­
  für  den  Arbeiter  einmal  hat,  noch  erhöht  werden.
Freilich  setzt  das  ein  geschlossenes  System  von  Schutzzöllen ­
  für  jedes  Land  voraus,  denn  den  Weltmarkt  in  ähnlicher ­
  Weise  zu  regeln,  wie  den  Verkehr  der  einzelnen  Länder,
ist  nicht  möglich.
Einen  Einfluß  auf  die  Gestaltung  der  wirtschaftlichen
*)  Die  Exportpolitik  mancher  Kartelle,  z.  B.  die  des  Stahlwerksverbandes ­
  ist  allerdings  häufig  der  Gegenstand  heißer  Kämpfe  gewesen. ­
  In  neuester  Zeit  hat  nun  Dietzel  die  merkäntilistische,  auch
von  neueren  Nationalökonomen  wie  Oldenberg,  Kautsky,  Pohle,  Wagner,
Schmoiler,  Sering  u.  a.  wieder  vertretene  Theorie,  daß  die  Ausfuhr
von  Produktionsmitteln  einen  volkswirtschaftlichen  Selbstmord  bedeute, ­
  als  einen  Irrtum  bekämpft.  Diese  Theorie  ist  in  Deutschland
bis  zur  Forderung  der  Wiedererrichtung  von  Ausfuhrzöllen  auf  Rohstoffe ­
  gediehen.  Demgegenüber  versucht  Dietzel  nachzuweisen,  daß
im  Steigen  des  Exports  von  Maschinen  und  Kohlen  z.  B.  der  Fortschritt
der  Volkswirtschaft  Englands  sich  zeigt.  Überhaupt  ist  der  Export
von  Produktionsmitteln  irgendwelcher  Art  deshalb  nicht  schädlich,  weil
der  wirtschaftliche  Aufschwung  anderer  Länder,  der  doch  durch  Zufuhr ­
  von  Produktionsmitteln  zweifellos  gefördert  wird,  keineswegs  identisch ­
  ist  mit  wirtschaftlichem  Verfall  des  eigenen  Landes.  Gerade
weil  durch  Zufuhr  von  Produktionsmitteln  den  Rohstoff'staaten  die
Entwicklung  der  eigenen  Industrie  erst  ermöglicht  öder  erleichtert
wird,  ist  solcher  Export  förderlich  für  die  Industriestaaten.  Denn
diese  gewinnen  dadurch,  daß  sie  die  Industrialisierung  der  Rohstoffstaaten ­
  unterstützen,  bessere  Kunden  für  andere  Fabrikate.  Der  Nutzen,
den  die  neuere  vollkommenere  Arbeitsteilung  auf  die  Dauer  hervorbringt,
  überwiegt  den  momentan  dadurch  entstehenden  Schaden,  daß
die  Volkswirtschaft  der  Industriestaaten  eine  Wandlung  durchzumachen
hat.  So  ist  denn  der  Export  kein  „Totengräber“,  sondern  der  Wecker
faesseren  höheren  Lebens  für  die  Rohstoffstaaten  wie  für  die  Industriestaaten ­
  (Heinrich  Dietzel,  Bedeutet  Export  von  Produktionsmitteln ­
  volkswirtschaftlichen  Selbstmord?  Volkswirtschaftliche  Zeit
fragen,  Heft  227/228,  Jahrgang  28,  Heft  3/4).  Wegen  weiterer,  die
Exportpolitik  der  Kartelle  behandelnden  Fragen  vgl.  das  Buch  von
Morgenroth,  Die  Exportpolitik  der  Kartelle,  Leipzig  1906.