III.  Kartell  und  Konjunktur.

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kosten.  Beim  Nachlassen  der  Konjunktur,  bereits  pro  I.
Halbjahr  1908,  hat  der  Verband  die  Preise  in  Halbzeug  und
Formeisen  ermäßigt,  weshalb  man  seiner  Preispolitik  ein
Entgegenkommen  den  Verbrauchern  gegenüber  nicht  wird
absprechen  können.  Im  übrigen  sind  die  Preise  des  Verbandes ­
  aus  der  Zusammenstellung  auf  Seite  99  zu  ersehen.
Wie  die  umstehende  Tabelle,  welche  die  Preisentwicklung ­
  der  wichtigsten  Artikel  der  chemischen  Großindustrie
enthält,  beweist,  sind  auch  hier  die  zahlreich  vorhandenen
Kartelle  in  ihrer  Preispolitik  maßvoll  vorgegangen.  Der
Zusammenschluß  der  Unternehmer  hat  das  Gute  gehabt,  daß
die  Preise  sich  nicht  in  sprunghaften  Preiserhöhungen  bewegten, ­
  sondern  daß  sie  sich  in  längeren  Perioden  stabil
gehalten  haben,  so  daß  die  Fabriken  aus  den  technischen
Verbesserungen  und  dem  vergrößerten  Umsatz  vollen  Nutzen
ziehen  konnten 1 ).
Die  segensreiche  Tätigkeit  mancher  Kartelle  wird  aber
gar  oft  erst  bei  ihrer  Auflösung  empfunden.  Der  bisherigen
ruhigen  und  gleichmäßigen  Preispolitik  des  Kartells  pflegen
dann  infolge  des  scharfen  und  zügellosen  Wettbewerbs
enorme  Preisstürze  und  starke  Preisschwankungen  zu  folgen.
Man  wird  vielleicht  auch  hier  entgegnen  wollen,  daß  Kartelle
vielfach  die  Preise  zu  hoch  halten  und  daß  somit  ein  Niedergang ­
  der  Preise  gerechtfertigt  sei,  aber  die  Preisstürze  bei
Kartellauflösungen  haben  vielfach  eine  solche  Tiefe  erreicht, ­
  daß  die  Preise  dem  Fabrikanten  nur  noch  Schaden
brachten,  geschweige  denn  Verdienst,  den  man  aber  doch  in
angemessener  Weise  jedem  zubilligen  muß 2 ).
Am  klarsten  zeigte  sich  die  schädigende  Wirkung  eines
sinnlosen  Wettbewerbes  in  der  Elektrizitätsindustrie 3 )  und
Schultze,  a.  a.  O.
*)  Außer  der  bereits  erwähnten  Auflösung  des  Roheisensyndikates,
die  einen  ganz  erheblichen  Konkurrenzkampf  und  eine  bedeutende  Preisreduktion ­
  zur  Folge  hatte,  die  eine  Einfuhr  ausländischen  Roheisens
unrentabel  machte,  sind  ferner  noch  von  Bedeutung  die  Auflösung  der
Messing-,  Asbest-  und  Preßhefe-Syndikate,  deren  Auflösung  erhebliche
Preisreduktionen  folgten.  Von  der  1909  erfolgten  Auflösung  der  mitteldeutschen ­
  Zementverbände  wird  vor  allem  ein  heftiger  Preiskampf  befürchtet. ­
  (Frankfurter  Wirtschaftsbericht  für  1909,  p.  29.)
3 )  Nach  Mitteilungen  der  Kölnischen  Zeitung  über  den  Stand  der
Elektrizitäts-Industrie  in  Nr.  908  vom  27.  August  1909.