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III.  Kartell  und  Konjunktur.

hier  insbesondere  nach  der  Auflösung  des  Kabelkartells.
Zu  wiederholten  Malen  wurde  Kabel  verkauft  zu  Preisen,
die  noch  nicht  einmal  den  Wert,  des  in  dem  betreffenden  Kabel
verwendeten  Kupfers  deckten,  während  Preisstellungen,  die
nur  Material  und  effektiv  gezahlte  Arbeitslöhne  ohne  Rücksicht
auf  Unkosten  usw.  deckten,  die  Regel  bildete 1 ).  Da  es  damals ­
  noch  an  jeder  wirksamen  Verständigung  unter  den  elektrotechnischen ­
  Firmen  mangelte,  war  es  kein  Wunder,  wenn
allgemein  und  nachdrücklich  über  die  Schärfe  des  Wettbewerbes ­
  geklagt  wurde.  Der  Wettbewerb  hatte  fast  auf
allen  Gebieten  der  Elektrotechnik  eine  Schärfe  angenommen,
wie  sie  selbst  zu  Zeiten  früherer  Depressionen  nicht  bestanden ­
  hatte.  Die  Preisrückgänge,  die  nur  zum  kleinsten
Teil  durch  die  Verbilligung  der  Rohstoffe  erklärt  werden
können,  dürften  die  Folge  von  nicht  gleichmäßiger  Beschäftigung ­
  in  allen  Werken  der  deutschen  Elektrotechnik  gewesen ­
  sein.  Besonders  hervorzuheben  ist,  der  verlustbringende ­
  Wettbewerb  in  der  ebenfalls  nicht  kartellierten
Automobilindustrie,  in  der  die  Existenz  mancher  der  schwächer ­
  fundierten  Fabriken  stark  bedroht  wurde.  Neuerdings
haben  sich  aber  auch  in  der  Elektrizitätsindustrie  in  ihrer
Bedeutung  nicht  zu  unterschätzende  Organisationsbestrebungen ­
  geltend  gemacht.
Ebenso  hatte  das  anfängliche  Scheitern  der  Bestrebungen
um  die  Bildung  eines  Stabeisenverbandes  sprunghafte  Preisermäßigungen ­
  zur  Folge *  2 ),  während  in  der  Walzdrahtindustrie ­
  ein  so  scharfer  Preissturz,  wie  er  in  anderen  nichtsyndizierten
  Erzeugnissen  der  Eisenindustrie  eintrat,  wenigstens
vermindert  wurde,  weil  der  Verband  sämtlicher  deutscher
Drahtwerke  im  Laufe  des  Jahres  1907,  trotz  seines  voraussichtlichen ­
  Endes,  doch  noch  verlängert  wurde 3 ).
*)  Das  Kartell  für  Starkstrom-Bleikabel  wurde  im  Frühjahr  1900
ebenfalls  aufgelöst,  was  einen  empfindlichen  Preisrückgang  zur  Folge
hatte.  (Frankfurter  Wirtschaftsbericht  für  1909,  p.  31.)
2 )  Kölnische  Volkszeitung.  Bericht  abgedruckt  in  der  „Kartell-Rundschau“
  1908,  p.  39.
Im  August  1909  ist  ein  engerer  Zusammenschluß  der  Stabeisenwerke ­
  erfolgt,  vgl.  hierüber  p.  22  dieser  Arbeit.  Die  Mitteilungen  des
Berg-  und  Hüttenmännischen  Vereins  zu  Siegen,  1910,  Heft  32,  p.  38
verzeichnen  unter  dem  Einflüsse  der  Stabeisenkonvention  eine  regere
Verkaufstätigkeit  bei  steigenden  Preisen  und  reichlicherem  Eingang  von
Spezifikationen.
s )  Flandelskammer  Mülheim  a.  Rhein,  Bericht  für  1907.  Abgedruckt ­
  in  der  Kartell-Rundschau  1908,  p.  507.