III.  Kartell  und  Konjunktur.

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Wenn  aber  sogar  behauptet  wird 1 ),  daß  es  die  Kartelle ­
  seien,  die  häufig  ihre  Preise  plötzlich  und  unvermittelt
um  große  Beträge  herauf-  oder  herabsetzten,  während  unter
dem  System  der  freien  Konkurrenz  diese  Änderungen  sich
mehr  allmählich  vollzögen  und  daß  auch  diese  plötzlichen
Veränderungen  unzählige  Kalkulationen  der  Weiterverarbeiter ­
  oder  Händler,  welche  auf  die  bisherigen  Preise  aufgebaut ­
  waren,  über  den  Haufen  geworfen  würden,  so  widerlegen ­
  die  angeführten  Preistabellen  diese  Behauptung  gründlich ­
  und  beweisen,  daß  genau  das  Umgekehrte  der  Fall  ist
und  daß  Nichtsyndizierung  und  Preisschleuderei,  Preisschwankungen ­
  und  ungewöhnlicher  Tiefstand,  Hand  in  Hand
gehen *  2 ).
Dieses  Bestreben  der  Kartelle  muß  aber  auch  von  seiten
der  großen  Abnehmer,  wie  von  der  Eisenbahnverwaltung,
deren  gewaltiger  Bedarf  wohl  in  der  Lage  ist,  einen  großen
Einfluß  auf  die  Marktlage  und  den  Beschäftigungsgrad  der
Eisenindustrie  auszuüben,  unterstützt  werden.  Leider
scheinen  sich  aber  einzelne  Zweige  unserer  Staatsverwaltung ­
  von  der  alten  Anschauung,  daß  in  schlechten  Zeiten
Einschränkungen  und  Herabsetzung  der  Prosperität  nützliche ­
  und  weise  Maßnahmen  seien,  noch  nicht  ganz  emanzipiert ­
  zu  haben.  Wenn  in  früheren  Zeiten,  wenn  es  der  Industrie ­
  schlecht  ging  und  die  Einnahmen  aus  den  Eisenbahnen
geringer  wurden,  die  Bestellungen  für  den  Wagenpark  und
für  den  Ausbau  neuer  Strecken  eingestellt  oder  doch  auf
das  geringste  Maß  reduziert  wurden,  nannte  man  daß  „weise
Sparsamkeit“  und  man  tat  sich  auf  diese  Klugheit  etwas
zu  gute.  Durch  diese  Handlungsweise  zog  man  aber  die
ganzen  großen  Industriezweige,  die  sich  mit  der  Herstellung
*)  Von  der  Berliner  Handelskammer,  Bericht  für  1907.  Dasselbe
wird  wörtlich  wiedergegeben  in  dem  Bericht  für  1907  des  Verbandes
deutscher  Warenhäuser  und  Kaufhäuser.  Vgl.  Kartell-Rundschau  1908,  p.  340.
2 )  Auch  das  Berliner  Jahrbuch  1909  (I.  Teil,  p.  147)  gibt  zu,  daß
in  den  organisierten  Industrien  die  Preisbewegung  ruhiger  und  weniger
sprunghaft  war,  als  in  anderen  Industrien,  wo  freie  Konkurrenz  herrschte.
Allerdings  wird  angegeben,  daß  losere  Kartelle  ihre  Preise  so  häufig
und  so  stark  herabsetzten,  daß  man  vielleicht  annehmen  kann,  auch
bei  ungehinderter  Konkurrenz  wären  sie  nicht  stärker  ermäßigt  worden ­
  und  die  Kartellbeschlüsse  hätten  weniger  einen  Einfluß  auf  die
Marktlage  ausgeübt,  als  vielmehr  nur  derselben  einen  Ausdruck  verliehen. ­
