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IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

sich  dann  nicht  mehr  bei  der  Anwerbung  von  Arbeitern,  da
ihnen  eine  Ausdehnung  der  Produktion  nur  in  den  vom
Kartell  vorgeschriebenen  Grenzen  gestattet  ist.
Demgegenüber  stellt  aber  Grunzei  fest,  daß  ebenso  wie
die  Überproduktion  auch  die  etwa  dadurch  bewirkte  Lohnsteigerung ­
  eine  ungesunde  sei  und  zu  einem  Rückschläge
führen  müßte.  Der  Arbeiter  halte  nichts  davon,  wenn  er
heute  einen  hohen  Lohn  bekomme  und  morgen  auf  die
Straße  gesetzt  werde.  Soweit  die  Lohnsteigerung  in  der  natürlichen ­
  Produktionsausdehnung  gerechtfertigt  sei,  werde
sie  sich  auch  in  der  kartellierten  Industrie  durchsetzen.
Grunzei 1 )  behauptet  sogar,  daß  die  kartellierten  Unternehmer ­
  viel  leichter  den  Arbeitern  Lohnerhöhungen  zugestehen ­
  werden,  als  nicht  kartellierte *  2 ).  Dieselbe  Ansicht  vertritt ­
  Liefmann 3 ),  der  dies  damit  begründet,  daß  kartellierte
Unternehmer  leichter  imstande  seien,  die  Mehrkosten  durch
höhere  Preise  auf  die  Abnehmer  abzuwälzen.  Es  liege  nur
an  den  Arbeitern,  bzw.  es  erfordere  nur  die  Bildung  starker
Qewerkvereine,  um  eine  Erhöhung  der  Löhne  mit  der  Steigerung ­
  der  Kartellpreise  zu  erlangen.
An  und  für  sich  ist  daher  eine  Erhöhung  der  Preise
industrieller  Produkte  durchaus  nicht  als  ein  Unglück  anzusehen, ­
  es  kommt  vielmehr  darauf  an,  wer  den  Nutzen  davon ­
  hat.  Wird  eine  Preiserhöhung  durchgeführt,  die  gleichzeitig ­
  verbunden  ist  mit  einer  Erhöhung  der  Löhne  und
dadurch  mit  einer  Verbesserung  der  wirtschaftlichen  Lage
der  arbeitenden  Klasse,  so  wird  eine  solche  Preiserhöhung,
wenn  sie  nicht  die  gewöhnlichen  Lebensbedürfnisse  betrifft,
sogar  als  ein  wesentlicher  Fortschritt  anzusehen  sein.
Seitdem  nun  die  Kartelle  im  Deutschen  Reiche  in  vielen
Gewerben  eine  herrschende  Stellung  einnehmen,  hat  es  nicht
an  Stimmen  gefehlt,  die  ein  Sinken  der  Löhne  unter  der  Herrschaft ­
  der  Syndikate  als  eine  unabwendbare  Folge  bezeichnen.
!)  Orunzel,  p.  140.
2 )  Nach  Grunzei,  Industriepolitik,  p.  65  ist  dies  eben  dadurch
möglich,  daß  die  durch  Kartelle  erfolgte  Ordnung  der  Produktion  den
Arbeitern  eine  leichtere  Durchsetzbarkeit  von  berechtigten  Lohnforderungen ­
  ermöglicht.
3 )  Liefmann,  Kartelle  und  Trusts.
Liefmann  setzt  sich  damit  in  Gegensatz  zu  der  vorhin  zitierten
Anschauung  in  seiner  Schrift:  Die  Unternehmerverbände,  p.  1S2.